Über die juvenile Form der progressiven Muskelatrophie und ihre Beziehungen zur sogenannten Pseudohypertrophie der Muskeln / von W. Erb.
- Wilhelm Heinrich Erb
- Date:
- 1884
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Credit: Über die juvenile Form der progressiven Muskelatrophie und ihre Beziehungen zur sogenannten Pseudohypertrophie der Muskeln / von W. Erb. Source: Wellcome Collection.
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![vielen ähnlichen Gruppen der „Pseudohypertrophie, welche sich nur durch das stärkere Hervortreten der Lipomatose unterscheiden). Nur zwei Punkte verdienen dabei noch eine kurze Erwähnung. Zunächst der von Zimmerlin in seinem ersten Fall angegebene Befund von Entartungsreaction im M. pectoralis major, welcher Licht- heim bei Gelegenheit des Referats über die Arbeit Zimmerlin's veranlasst hat, zur Vorsicht in der diagnostischen Beurtheilung des Feh 1 ens der EaR bei der juvenilen Form zu mahnen. Ich muss gestehen, dass ich diesem ganz vereinzelten Befunde an einem ein- zigen Muskel eines einzigen Kranken (gegenüber den negativen Be- funden Zimmerlin's in den 6 anderen Fällen, meinen eignen nega- tiven Befunden in mehr als 20 Fällen, den negativen Befunden bei so vielen Fällen von Pseudohypertrophie etc.) keine erhebliche Be- deutung zuschreiben kann, selbst wenn er sich als ganz sicher er- weisen sollte; aber ich kann aus der Mittheilung des Untersuchungs- ergebnisses nicht die feste Ueberzeugung gewinnen, dass wirklich EaR vorgelegen habe; ich weiss nicht, ob es sich nicht doch um Verhältnisse gehandelt hat, die noch in das Bereich des Normalen am Muskel fallen1), und die Angabe, dass KaOZ und AnOZ schon bei 14 Elementen auftraten, während KaSZ und AnSZ erst bei 12 Elementen erschienen, steht ebenfalls nicht im Einklang mit unseren sonstigen Erfahrungen am Muskel im normalen Zustande oder bei der EaR. — Doch bin ich weit entfernt, das Vorkommen der EaR auch bei der juvenilen Form für unmöglich zu erklären (s. oben S. 9 Anns.); ich halte aber jedenfalls dies Vorkommen für ein ganz ausnahmsweises, das meines Erachtens noch der weiteren Bestätigung bedarf, während bei der spinalen Form ja das Auftreten der EaR so gut wie constant ist. Der zweite Punkt betrifft die fibrillären Muskelzuckun- gen, welche Zimmerlin selbst in allen seinen Fällen vermisste, während er angibt, dass in einem derselben der Patient selbst sie beobachtet zu haben scheint. Auch in einem meiner Fälle (Beob. 2) sind sie „ beim Frieren des Kranken beobachtet worden, in anderen Fällen finde ich sie als „beim Anblasen auftretend erwähnt. Ich bezweifle, ob es sich hier um die bei der spinalen Form so regel- mässig beobachtete Art der fibrillären Zuckungen handelt; es scheint mir wahrscheinlicher, dass es diejenigen fibrillären Zuckungen ge- wesen sind, die sich bei gesunden oder nervösen Personen nicht 1) Vergl. Erb, Handbuch der Elektrotherapie. 1882. S.87, und Jolly, Ueber die Unregelmässigkeit des Zuckungsgesetzes der Muskeln am lebenden Menschen. Archiv f. Psych, u. Nervenkrank!]. XIII. S.718. 18S3.](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b22292433_0054.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)


