Lehrbuch der Arzneimittellehre und Arzneiverordnungslehre : unter besonderer Berücksichtigung der deutschen und österreichischen Pharmakopoe / von H. v. Tappeiner.
- Tappeiner, H. von (Hermann von), 1847-1927.
- Date:
- 1907
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Credit: Lehrbuch der Arzneimittellehre und Arzneiverordnungslehre : unter besonderer Berücksichtigung der deutschen und österreichischen Pharmakopoe / von H. v. Tappeiner. Source: Wellcome Collection.
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![sibler Reizung und Hyperämie und Aveiter zu Ent Zündung fülirt und mit Ätzung im tlierapentisclien Sinne, das ist Ätzung mit Substanz Verlust, endigt (Sclimiedeberg). Die therapeu- tische Ainvendung der beiden ersten Gi’ade von Ätzung Avurde zum Teil bereits bei den Hautreizmittelii behandelt; es bleibt daher in dieser allgemeinen Einleitung nur der dritte Grad zu besprechen übrig. .\lle Störte mit starken chemischen Venvandtschaften zu den geAvebebildenden Substanzen sind Ätzmittel, mithin alle Halogene^ Oxydationsmittel, Säuren, Alkalien und Salze der schwere}! Metalle. Vom praktischen Gesichtspunkte ans zerfallen sie in zioei Gruppen: in solche, Avelche die EiAA^eißkörper zur Fällung bringen, und in solche. Avelche sie anflösen. Im ersteren Falle ist der Ätz- schorf fest und setzt dem Vordringen des Ätzmittels bald eine Grenze, die Ätzung ist daher scharf begrenzt und Avenig ausgebreitet. Im zweiten Falle ist der Ätzschorf Aveich, zerfließlich, und die Ätzung verbreitet sich Aveit und ohne scharfe Grenze über die Applikations- stellen in das (ie\A’ebe. In der }iächsten Umgebung des Ätzschorfes, Avohin das Mittel nur mehr in geringer Konzentration gelangt, bilden sich die beiden ersten Grade der Ätzmig ans und führen die reaktive Entzündung herbei, Avelche den Ätzschorf vom normalen GeAA’ebe abgrenzt und die Wunde unter Xarbenbildnng schließlich zur Heilung bringt. Der frühere häufige Gebrauch der Ätzmittel ist meist durch das Messer verdrängt. Dasselbe arbeitet rascher, eleganter und hinterläßt nur eine lineare Narbe. Avelche im Gegensatz zu den strahligen, derben Narben nach Ätzmitteln Aveder entstellt, noch funktionell behindei't. Die Anivendung beschränkt sich daher heutzutage auf die Er- öffniing von Abzessen und Exstirpatio}i kleiner Neubildu}igm bei messei'scheuen Personen, auf die Injeldion in Geschwülste und Cysten und die Zerstörung von Tiergiften und Bakterie}! an Vhinden. Die Ätzung ist bei den meisten Mitteln mit starken Schmerzen verbunden. Man sucht sie durch vorausgehende AiiAvendung von Kokain oder Ätherzerstäubung zu mildern. Das Anästhetikum dem Ätzmittel selbst zuzusetzen, ist hingegen meist nutzlos, Aveil die Anä.sthesierung später eintritt als die Ätzung. An dieser Stelle sollen bloß die W'ii'kungen der Säuren und Alkalien. soAveit sie durch die Eigenschaft als Säure oder Alkali bedingt sind, )jes])rochen Averden. Die .sonstigen, lu-akti.sch ver- V. Tappoiiior. Arzneimittollohro. C. Aiiflago. 7](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b28096137_0109.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)


