Lehrbuch der Arzneimittellehre und Arzneiverordnungslehre : unter besonderer Berücksichtigung der deutschen und österreichischen Pharmakopoe / von H. v. Tappeiner.
- Tappeiner, H. von (Hermann von), 1847-1927.
- Date:
- 1907
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Credit: Lehrbuch der Arzneimittellehre und Arzneiverordnungslehre : unter besonderer Berücksichtigung der deutschen und österreichischen Pharmakopoe / von H. v. Tappeiner. Source: Wellcome Collection.
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![Zu einmaligem Geb rauche bedient man sicli gewöhnlich der Brausepulver. Zu längerem Gebrauche geeignet sind die Mineralwässer, welche Kohlensäure als Haui)tbestandteil führen, einfaclie Säuerlinge oder schwache kohlensäurereiche Kochsalzwässer. Es wird insbesondere die Salzsäureabsonderung in mäßigem Grade angeregt. Den anderen Säuren geht dieses Vermögen voll- ständig ab (PaAvloAv). Eine besondere Rolle im Verdauungskanal spielt die Salzsäure Aveil sie die natürliche, bei der Magenverdauung tätige Säure ist. Bei Dyspepsien, welche auf Mangel an Salzsäure beruhen, ist daher die Darreichung dieser Säure von entschiedenem Erfolge, nur muß sie in einer Konzentration geschehen, daß dadurch Avenigsteus einiger- maßen die natürliche Säurezufuhr ersetzt Avird. Hierdurch AA’ird zugleich einer Aveiteren Funktion der Magensalzsäure nachgeholfen, d. i. Bakterien zu töten oder wenigstens in ihrem Wachstum zu hemmen und so Gärungen und vielleicht auch Infektionen zu unter- drücken. Typhusbazillen Averden bei 0.2 o/o getötet, (’holerabazillen bei noch geringerer Konzentration. In gleiclier Weise Avirken die meisten anderen ]\finei’alsäuren, Avährend organische Säuren um .00—100 o/o zurückstehen. 2,0 [(40 /rropfen) von *fAcidum hydrocliloricvun dilutum, verdünnter Salz.säure, welche 12,5 ®/o HCl enthält, oder 1,0 (20 Tropfen) des doppelt so starken Acidum hydroehlorieum, -[-Acid. hydrochl. eoncentratum auf ein Glas A\asser (100 ccm) kommt dem Gehalt eines normalen Magensaftes an Säure (0,25 ®/o) annähernd gleich. Von einer solchen Flüssigkeit läßt man in den ersten Stunden nach der Mahlzeit alle '/■»—Stunden ein halbes Glas, je nach Bedarf trinken, am besten, um das Stumpfwerden der Zähne zu verhüten und diese überhaupt zu schonen, mittels eines gebogenen Glasrohres, wie es bei Kisenwässern üblich ist. 4. Zur Erregung der Pankreassekretion und der Peristaltik. Der in den Darm gelangende saure Mageninhalt Avirkt reflektorisch erregend auf die Bauchspeiclieldrüse. Alle Säuren Avirken in dieser Weise. Der Genuß sauren Gemüses gegen Schluß einer ]\rahlzeit ist darin begründet, und der Arzt hat es in der Hand, auf die 4’ätigkeit des so verborgenen Organes durch Säuredarreichung z. B. Acidum hydrochlorium anregend oder durch Abstumpfung der IMagensäiire durcli Alkalien beschränkend einziiAA'irkeii. Da die Magensaftsekretion nur durch Kohlen.sänre, nicht durch andere Säuren angeregt Avird, kann durch Darreichung saurer Speisen (z. B. ge- stockter Milch) die Verdauungstätigkeit vom Klagen aut den Darm verlegt AA'erden (PaAvloAv).](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b28096137_0112.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)


