Lehrbuch der Arzneimittellehre und Arzneiverordnungslehre : unter besonderer Berücksichtigung der deutschen und österreichischen Pharmakopoe / von H. v. Tappeiner.
- Tappeiner, H. von (Hermann von), 1847-1927.
- Date:
- 1907
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Credit: Lehrbuch der Arzneimittellehre und Arzneiverordnungslehre : unter besonderer Berücksichtigung der deutschen und österreichischen Pharmakopoe / von H. v. Tappeiner. Source: Wellcome Collection.
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![Innerlich wird Seife als Pillenconstituens, Neutraliaatiom- mittel bei Säurevero^iftuugen (gewölinliclie Hausseife feingescliabt^ mit wannen Wasser verrnlirt) und als Seifenklistier und Stuhl- zäpfchen zur Anregung der Dickdarinperistaltik gebraucht. Neuer- dings wird Olivenöl und ölsaures Natron in Pillen und Tiösung als Cholagofpim warm emitfohlen. Neben dieser gallentreibenden ÄV^irkung soll es auch das Cholesterin lösen resp. dessen Ausscheidung in Form von Steinen in den Gallenwegen verhindern. *fSapo kalinus, Kaliseife, durch Verseifen von Leinöl mit Kali- lauge hergestellt, erhärtet nicht nach dem Erkalten wie die Natron- seife, sondern bildet eine weiche, schlüpfrige l\[asse, welche noch freies Alkali enthält und darum, sowie in ihrer Eigenschaft als Kalizalz, die Epidermis viel stärJeer anyreift und reizt. Die Seife selbst wird in der Dermatologie als kräftiges Remigungs- und Er- weichungsmittel der Hornschicht, insbesondere zur Vorbereitung der Behandlung mit anderen Mitteln gebraucht. *fSpiritus saponatus, Seifengeist, gelbliche, mit Wasser stark schäumende, alkalisch rea- gierende Flüssigkeit wird durch Verseifen von Olivenöl in spiri- tuöser Kalilauge hergestellt und dient als Hautreizmittel zu Ein- reibungen und als Desinfeiens für Instrumente, Haut und Hände. Zur Parfümierung setzt Ph. A. 2 “/ o Lavendelöl zu. *Sai)o kalinus venalis und fSpiritus Saponis kalini sind stärker alkalisch reagierende, billigere Kaliseifenpräparate. 4. Schwefel, ScliwefclWasserstoff und Schwefelalkalien. Diese drei Mittel gehören insofern zusammen, als sich die Wirkimgim des Schwefelivasserstoffs und der Schwefelalkalien größtenteils decken und der Schwefel erst durch seine Umwandlung in Schwefelwasser- stoff zur Wirkung gelangt. Örtlich wirken die Schwefelalkalien als starkes Ätzmittel, sie zeichnen sich insbesondere durch ihr großes Lösungsvermögen für Horngewehe aus. Die \\ irkiing der vorgebildeten Hydrosulfide und Sulfide ist lasch und stark, jene des Schwefels langsam und milde. Ein gnte.s Beispiel für die keratolytischc Wirkung ist das Calcitim liydro- snlfuratum, Kalziumhydrosulfid (!a (811)2 erhalten, durch Sättigung von Kalkbrei mit Schwefehvas.serstoff. Auf den Pelz eines Kaninchens aufgetragen, «ind die Haare nach fünf Minuten zu einer leicht ahstreifharen Masse erweicht, ohne daß die Haut .sell)st schon wesentlich in Mitleidenschaft gezogen wäre. Wegen dieser begrenzten Wirkung ist es das beste Ei)fhanriüu/smiUcl (Dei)i- latorinm) die.ser| Gru])iie, im Orient mit Sehwefelarsen gemischt Ix'kannt unter dem Namen Bhusma. V. Tappoiner, Arznoimittollohre. 6. AnflaRO. S](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b28096137_0125.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)


