Lehrbuch der Arzneimittellehre und Arzneiverordnungslehre : unter besonderer Berücksichtigung der deutschen und österreichischen Pharmakopoe / von H. v. Tappeiner.
- Tappeiner, H. von (Hermann von), 1847-1927.
- Date:
- 1907
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Credit: Lehrbuch der Arzneimittellehre und Arzneiverordnungslehre : unter besonderer Berücksichtigung der deutschen und österreichischen Pharmakopoe / von H. v. Tappeiner. Source: Wellcome Collection.
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![Resorptiv sind die Sclnvefelalkalien resp. der Schwefelwasser- stoff und Schwefel starke Nervengifte. Schon sehr kleine Klengen rufen Übelkeit., Schmindel, Atembeschwerden und starken drücken- den Kopfschmerz lierA’^or. Größere erzeugen Krämpfe oder sofort Bewußtlosigkeit und Tod durch Lähmung des Atmungszentrunis^ noch ehe so viel dieser Stoffe aufgenommen. daß eine Yerhindnng derselben mit dem Blutrot zu Sulfhämoglobin in merklicher Menge möglich wäre. Die Attsscheidunff erfolgt größtenteils als Schwefeltvasser- stoff durch Lunge, Haut und Niere, indem die Schwefelalkalien schon im Blut durch die Massenwirkung der Kohlensäure eine teil- weise Dissoziation erfahren. Nur ein kleiner Teil verbleibt länger im Organismus und wird zu Schwefelsäure oxydiert. Vergiftungen geschehen am häufigsten durch Einatmuiii/ von Schwrf'el- wasscrstoff aus Kloaken, Ahtrittgruhen usw. Sie nehmen in diesem Falle meist einen raschen und gefährlichen V'erlauf, da das Gift in toto durch das arterielle Blut den Xervenzentren zugeführt wird. Bei Resorption vom Darme oder von anderen Orten aus hingegen wird es vom venösen Blut aufgenommen und ])assiert zunächst die Lunge, wo es zum Teil Avieder ausgeschieden Avird (Claude Bernardk Antomtoxikationen scliAA^erer Form durch GärungsscliAvefelAA’asserstoff sind infolge dieses Verhaltens seltener, als mau A'on vornherein erAvarten möchte. Aus gleichem Grunde erzeugt aucli innerlich aufyeno7nmener Schwefel zunächst nur örtliche Intoxikation (Enteritis), zu der erst in A'erhältnismäßig größeren Dosen die resorptive sich gesellt. Die Therapie der Schwefehca.srerntoffrerpiftung hat auf die Belebung der .Vtmung ihr Ilaui)taugenmerk zu richten, da diese hei der Vergiftung am meisten bedroht ist und die Aus.sclieiduug des Giftes Avesentlich durch sie geschieht. Anwenduncj. 1. Äußerlich bei Hautkrankheiten ist Schwefel ein viel ge- brauchtes I\rittel. Man erreicht damit einmal die Abschälung der Epidermis bis auf eine gewisse Tiefe, genügend, üm Figmentationen (Sommersprossen, Leberflecke) und abnorme Abschuppungen zu be- seitigen. Außerdem zeigt er sich nützlich bei verschiedenen anderen namentlich parasitären Affektionen, bei Acne, Psoriasis, ohne daß es gegenwärtig möglich tväre, die WiiLung mit Sicherheit auf ein- fache Vorgänge zurückzuführen. Pis scheinen dabei hauptsächlich desinfizierende keratoplastische und keratolytische Plinflüsse (bei stärkerer Pliuwirkung) im Sj)iele zu sein. Die Verordnung geschieht als Schüttelmixtur, alkoholisch-äthe- rische Lösung, Salbe, .Paste und Seife, nicht selten unter Zusatz von Alkalien oder alkalischen Plrden. P^ür langsame V irkung ge- eignet ist *'j'Sulfur dopuratum, ein mikrokrystallinisches Piilvei’,](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b28096137_0126.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)


