Lehrbuch der Arzneimittellehre und Arzneiverordnungslehre : unter besonderer Berücksichtigung der deutschen und österreichischen Pharmakopoe / von H. v. Tappeiner.
- Tappeiner, H. von (Hermann von), 1847-1927.
- Date:
- 1907
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Credit: Lehrbuch der Arzneimittellehre und Arzneiverordnungslehre : unter besonderer Berücksichtigung der deutschen und österreichischen Pharmakopoe / von H. v. Tappeiner. Source: Wellcome Collection.
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![resorbiert und alsScliwefelWasserstoff durch die Lunge ausgeschieden, vermag er Broncliialkatarrhe in ähnlicher Weise wie die alkalischen Wässer nnd die Ammoniakalien günstig zu beeinflussen. Man gibt das unter dem Namen Kurelias Brustpulver bekannte, schtvefel- lialtige **|-Pulvis Liquiritiae compositus (vergl. Fol. Sennae) Vi—I Teelöffel oder läßt Schwefel Wässer trinken. Die Schwefelwässer sind charakterisiert durch den eig:entümlichen Geruch nach Schwefelwasserstoff (Geruch nach faulen Eiern) und stehen als Bäder von altersher gegen chronische Hautleiden, Hichf und Rheumatismen, veraltete Syphilis, chronische Metallveryiftunyen in hohem Ansehen. Viele von ihnen werden auch zu Trinkkuren, u. a. bei Stauungen im Pfortadergebiet (sog. abdominalen Plethora) nnd chronischen Mctallintoxikationcn gebraucht. Etwas Skeptizismus gegenüb«‘r diesem innerlichen Gebrauche dürfte am Platze sein, da diese Indikationen weniger empirisch gesichert als vielmehr meist von veralteten und unhaltbaren chemischen Gesichtspunkten abgeleitet sind. Eher läßt sich etwas vom Gebrauche als Ex- pectorantia bei Bronchialkatarrhen erwarten. Bezüglich der Erklärung der Wirkung der Schwefelbäder hat es den Anschein, als ob hier andere Gesichtspunkte maßgebend sein müßten, als bei anderen Arten von Bädern, indem es sich um einen gasförmigen Körper handelt, der von der Haut aus in nachweisbaren Mengen resorbiert wird und und daher auch direkte Veränderungen in inneren Organen erzeugen könnte. Die kriti.sche Betrachtung der mit den Schwefelbädern erzielten Heilerfolge ergibt indes, daß solche Vorgänge wohl kaum dabei in Frage kommen. 31au hat die Menge «les Schwefelwasserstoffes früher bedeutend überschätzt, indem man bloß nach dem Geruch und den Schwefelablagerungen, welche infolge «1er Zersetzung desselben durch die Kohlensäure an den Quellen gebildet werden, urteilte, ohne zu beilenken, daß der Geruchsiiin ein sehr feines lieagens ist, und diese Nieder- schläge das Ergebnis vieler Millionen von Litern Wa.sser sind. In V irklichkeit enthalten gerade einige der berühmtesten Schwefelwässer (Aachen, Pyrenäenbäden nur Spuren von Schwefelwasserstoff, zu den starken zählt man schon jene, welche einige Kubikzentimeter ])ro Liter enthalten., und die aller.'stärksten besitzen nicht mehr als 30—40 ccm. In Gewichten ausgedrückt sind auch dies nur kleine Mengen, da 1 ccm Schwefelwasserstoff bei 0° nnd 700 mm Druck nur 0,0015 g wiegt. Trotz dieses so außerordentlich verschiedenen Gehaltes an Schwefelwasser- stoff werden aber die verschietlcnen Schwefelbäder bei gleichen Lei«len mit an- geblich gleichem Erfolge gebraucht. Wenn dies richtig ist. so muß man auch zugeben, daß der Schwefelwasserstoff das Wirksame dieser Bäder kaum sein kann, daß dieses vielmehr in anderen Jlomenten; demWa.sser als solchem, den sonstigen ilarin gelösten B«'standteilen. der planmäßigen Kombination anderer Heilmethoden mit den Bädern usw. gesucht werden muß. Das in einigen ungarischen Bädern (Harkany) und wahrscheinlich auch in manchen ainleren Schwefelwässern spurenweise enthaltene KohlenoxA sulfid t’OS, ein leicht zu Kohlensäure, und Schwefelwasserstoff zerfalhmdes (>a.s, hat ebenfalls wohl kaum «‘ine therapeutische Be«leutung. Hergebrachter Weise teilt man die Schwefelwässer «‘in in: Schwefelkochsalzwäaser mit Kochsalz und zum Teil auch kolibm- saurem Natrium: Aachen-Burtscheid, Baden (Schweiz), Herkulesbad bei](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b28096137_0128.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)


