Lehrbuch der Arzneimittellehre und Arzneiverordnungslehre : unter besonderer Berücksichtigung der deutschen und österreichischen Pharmakopoe / von H. v. Tappeiner.
- Tappeiner, H. von (Hermann von), 1847-1927.
- Date:
- 1907
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Credit: Lehrbuch der Arzneimittellehre und Arzneiverordnungslehre : unter besonderer Berücksichtigung der deutschen und österreichischen Pharmakopoe / von H. v. Tappeiner. Source: Wellcome Collection.
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![Achtes Kapitel. Aiitiseptica. Desinfektionsmittel. Der (jebrauch fäulniswidriger Mittel ist uralt, wie die Sitte, das Fleiscli zu räuchern und die Leichen zu balsamieren, bekundet. Die ärztliche Anwendung beschränkte sich auf die gelegentliche Desodorisierung übelriechender Wunden und Geschwüre, man glaubte, damit zugleich das Miasma zerstört zu haben. I Eine hohe Bedeutung haben diese Mittel erst in neuester Zeit ] erlangt seit der Erkenntnis, daß nicht nur die Mhmdkrankheiten, I sondern auch eine große Anzahl von Erkrankungen innerer Organe i verursacht werden durch die Ansiedelung von niederen Oi’ganismen, j insbesondere Bakterien. Es erölfuete sich hierdurch die Möglichkeit, i diese Krankheiten kausal zu behandeln und zwar in vierfacher Weise: durch die prophylaktische Abhaltung der Organismen vom Körper, durch geeignete Zustandsveränderuiig der be- fallenen Organe (des Nährbodens), durch Bindung der pro- duzierten Toxine und durch unmittelbare Einwirkung auf d ie ein ge wunderten Organismen. Die Mittel, welche in dieser letzten Weise wirken, sind, soweit sie Bakterien betreffen, (regen- stand dieses Kapitels. Zwei Grade der Wirkung sind zu unterscheiden. Der erste Grad ist die Lähmung der Bal-Urrien. d. h. die Hemmung ihrer Entwicklung und ihi-er sonstigen Lebensäußerungen während der Anwesenheit des einwirkenden Stoffes. Die Mittel, welche nur diesen Grad bewirken, kann man als Antiseptika bezeichnen, wenn man für die stärker wirkenden Stoffe, welche in höheren Konzentrationen auch den zweiten Grad, die Tötung der Bakterien erreichen, den Namen Desinficientia Vorbehalten will. Meist werden indes beide Bezeichnungen als gleichbedeutend gebraucht. l?ei Amvenilnn^- sehr kleiner Do.sen von Antiseptica hat man wiederholt be- bachtet, dali der lähmenden Wirkung eine erregende, fnnktions- teigeriule voransgeht. Wenn diese Beobachtungen Verallgemeinerungen zulielien, so wäre daraus zu folgern, daß ungenügende Desinlizierung .schlechter ist, als gar keine. Da es sich bei diesen M’irkungen auf Bakterien um M’irkungen auf Protojdasmagebilde handelt, so haben für sie dieselben Anschau- ungen Geltung, welche über die Wirkungsweise der Arzneimittel und Gifte auf höhere Organismen aufgestellt wui-den. ISlau hat da- her zu unter.scheiden zwischen Mitteln. Avelche auf gewöhnliche ütomistiüch-chemischc Weise (durch lonenreaktion), und solchen. a\ eiche auf spezifische Weise (durch molekular-chemische Vorgänge) Avirken.](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b28096137_0130.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)


