Lehrbuch der Arzneimittellehre und Arzneiverordnungslehre : unter besonderer Berücksichtigung der deutschen und österreichischen Pharmakopoe / von H. v. Tappeiner.
- Tappeiner, H. von (Hermann von), 1847-1927.
- Date:
- 1907
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Credit: Lehrbuch der Arzneimittellehre und Arzneiverordnungslehre : unter besonderer Berücksichtigung der deutschen und österreichischen Pharmakopoe / von H. v. Tappeiner. Source: Wellcome Collection.
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![Kürperbestandteilen plu^sikaliscli oder cliemiscli derart gebunden, daß das Verteiliingsverbältnis für die Bakterien ein ungünstiges wird (Becliold-Ehrlich). Das selektive Verhalten einiger Protozoen- mittel, so des Chinins gegen Malaria, des Quecksilbers gegen Lues hält, indes die Holfnung rege, daß analoge „Specifica“ für Bakterien noch entdeckt werden könnten. Als Beispiel l'iir die hohen Anforderungen, welche an ein inneres Anti- septicum gestellt werden müssen, sei das bisher bekannte stärkste Des- infektionsmittel, das Quecksilberchlorid besi»rochen. A^on ihm genügt unter günstigen Begingungen eine Konzentration von 1 : .HOüOOO, um das Wachstum von Milzbrandbazilleii und in ähnlicher AVeise auch anderer Bakterien zu hemmen. Ließe sich dieser Grad von Desinfektion durch Sublimatisierimg des menschlichen Körpers erreichen, so wäre genügendes erreicht. Eingedrungene Bakterien würden dann allerdings nicht getötet, wohl aber in ihrer A'ermehrung und Toxinerzeugung gehemmt Averden. Kuu ist das mittlere KörpergeAvicht eines ErAvachseneu 75000 g. Um diese Alasse bis zu dem bezeichneten, schwächsten Gra<le zu des- iuliziereu, Aväre mithin 0,25 Sublimat nötig, Avobei noch die für die.sen Stoff nicht zutreffende A’oraussetzung gemacht werden müßte, daß die gesamte aufgenommene Menge im Kör])cr verbliebe, sich gleichmäßig verteilte und auch nicht in Aveniger wirksame A’erbindungen übergeführt Avürde. Die Toxikologie aber lehrt, daß bereits 0,18 Sublimat genügen, um einen Alenschen durcli akute ATrgiftung zu töten, mithin die gehegte ErAvartung als völlig aussichtslos ersclieinen zu lassen. Eher als durch ein einziges Desinfektionsmittel könnte die aufgestellte Forderung vielleicht durcli die komhinierfc Wirkiuu) e'mrr Mi-schunfj von ver- schiedenen Antiseptica geschehen, Avelche auf die Alikroben in gleiclier AA'eise Avirken, von den Zellen des Körpers aber bald diese, liald jene Art stärker angreifen, so daß ihre AVirkung sich daher Avohl bezüglich der Bakterien, nicht aber be- züglich der Organe des Körjiers summierte. Im folgenden werden alle als Antiseptika und Desinficientia gebrauchten Mittel mit Ausnahme der Silberpräparate, Salizyl- säure, Jodoform und Sublimat, welche anderen Kapiteln zu- gewiesen sind, behandelt. Chlor. Die Halogene Chlor. Brom, Jod suchen mit großer Be- gierde ihre Affinitäten durch Verbindung mit Wasserstoftätomen organischer Substanzen zu sättigen. Sie wirken deshalb zerstörend (ätzend) auf alles Organische und dadurch auch stark bakterizid. Am intensivsten wirkt das Chlor, selbst Milzbi’andsporen werden durch seine 0,2 prozentige Ijösung in 15 Sekunden getötet. Derartige starke Wirkung kann aber nur eintreten, Avenn die Bakterien ganz freiliegen. Die geringste Bedeckung, ein Häutchen von Schleim oder Eiweiß, wie sie an Gewebs- und Schleimhautobertiächen die Regel bildet, gewährt ihnen Schutz, falls nicht die Einwirkung so weit getrieben wird, daß auch das umliegende Gewebe erheblich verändert Avird. Die therapeutische Venvendung Avird durch diese Umstände sehr eingeschränkt.](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b28096137_0132.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)


