Lehrbuch der Arzneimittellehre und Arzneiverordnungslehre : unter besonderer Berücksichtigung der deutschen und österreichischen Pharmakopoe / von H. v. Tappeiner.
- Tappeiner, H. von (Hermann von), 1847-1927.
- Date:
- 1907
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Credit: Lehrbuch der Arzneimittellehre und Arzneiverordnungslehre : unter besonderer Berücksichtigung der deutschen und österreichischen Pharmakopoe / von H. v. Tappeiner. Source: Wellcome Collection.
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![ladenfarbe an. und die Haut erliält eine charakteristische, rauch- braune Verfärbung. Ist die Auflösung so reichlich, daß der Rest des unveränderten Blutrots die Sauerstolfzufuhr nicht mehr ausreichend unterhalten kann, dann stirbt das Individuum in wenigen Stunden akut an Erstickung. Ist diese Auflösung geringer, so droht der subakute Tod infolge Verstoi^fumj der Nierenkanälchen durch die Zerfallsprodukte der Blutkörperchen und vielleicht auch durch die Entstehung zahlreicher Thromben in verschiedenen Organen. Der- artige Gefäßsperrungen sind neuerdings bei allen Substanzen nachzu- weisen versucht worden, welche Auflösung oder Gestaltsverände- rungen der Blutkörperchen beAvirken. Auflösung von einigen Prozenten endlich Avird vom Organismus, ohne auffällige Symptome zu erzeugen, beAVältigt. Das Methämoglobin reicht dann auch nicht hin, um der äußeren Haut die charakteristische rauchbraune Färbung zu A'^er- leihen oder in den Harn in bemerkensAverter ]\Ienge überzugehen. Es Avird allmählich zu Gallenfarbstoff uingewandelt. Die beschrieltenen AVirkuugen zeigen sich erst bei einer gewissen An- häufung des Salzes iin Blute (über 0,02.)•’/o). Ob diese erreicht wird, hängt von der absoluten Menge des aufgenomnienen Salzes und gewissen begünstigenden Momenten: Konzentration des Salzes, Leere des Magens, Verzöge rung der Ausscheidung durch Nierenerkrankung ab. Sind diese vorhanden, dann können schon 8—10 g bei erwachsenen Menschen und 2—3 g bei Kindern schwere Vergiftung erzeugen. Bemerkenswert ist, daß nur die Blutkörperchen des 31 ensehen und der Fleischfresser (Hund) angegriffen werden, nicht jene der Kaninchen Diese Tiere sterben erst an höheren Gaben und nicht au Blutvergiftung, sondern an der nun eintretenden Kaliumwirkung. Die Amveriduny des chlorsauren Kaliums ist vornehmlich berechtigt bei Stomatitis niercurialis als Mundwasser von 3—b^lo oder Pasta. Hier ist auf empirischem Wege festgestellt, daß es nicht bloß die Erscheinungen der ausgebrochenen Krankheit bessert, sondern sogar den Ausbruch derselben bei frühzeitiger Ainvendung verhüten kann. Ob hierbei Avirklich eine antiseptische Wirkung (etwa in oben angedeuteter Weise) im Spiele ist, oder ob es sich lediglich um bloße Reinhaltung des Mundes handelt, die auch durch andere Mittel erreichbar Aväi’e, ist hingegen nicht ermittelt. M'egen der erheblichen Giftigkeit des Mittels ist Vorsicht am Platze, namentlich bei Kindern, die aus Ungeschicklichkeit leicht etwas davon verschlucken können. Noch mehr gilt dies für die innerliche Darreichung bei Diphtherie und (Jystitis, die übrigens so ziemlich wieder verlassen ist. Ordination in Pulvern würde .schon wegen Gefahr von Ex])losion unstatthaft sein, nur Lösungen von mäßiger Konzentration bei gefülltem Magen und in Alengen, welche 0,5 ]iro dosi und 7,0 g pro die niclit überschreiten, sind zulässig.](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b28096137_0136.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)


