Lehrbuch der Arzneimittellehre und Arzneiverordnungslehre : unter besonderer Berücksichtigung der deutschen und österreichischen Pharmakopoe / von H. v. Tappeiner.
- Tappeiner, H. von (Hermann von), 1847-1927.
- Date:
- 1907
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Credit: Lehrbuch der Arzneimittellehre und Arzneiverordnungslehre : unter besonderer Berücksichtigung der deutschen und österreichischen Pharmakopoe / von H. v. Tappeiner. Source: Wellcome Collection.
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![VIII. Aiitiseiitica, I)i'sinft’klioii.'<]iiilt{?l. 13ö fOleum Juniperi empyreumaticum (01. (’adiumn), breiizHchc.s Wacli- holderöl, ^\'a(,‘l^lloMel•teer, das Produkt der trockenen Destillation des Holzes von Juniperus oxycedrtis, inSüdfrnnkreich gewonnen und dort seit Jahrhunderten Volk.smittel, wirkt dem gewöhnlichen Holzteer analog. -[ Oleum Betulae empyreumaticum, Birkenteer. Durch trockene Destil- lation von Wurzel, Holz und Kimle von Betula alba gewonnenes, braunschwarzes Öl von brenzlichem, durchdringendem Juchtengeruch, gebraucht wie Pix liquida. Tinctura Rusci aetherca (Ph. A. .E.) ist aus 01. Betulae emi)yr. 2G, Äther, Spiritus ana 3G, 01. Lavandulae et Rosmarini ana 1 zusammengesetzt. Ichthyol. Durch trockene Destillation eines bei Seefeld in Tirol anstehenden, an Petrefakten (Fischen), reichen bituminösen S<-hiefers erhält mau ein ölartiges Demenge organischer Verbindungen, ausgezeichnet durch seinen hohen Schwefel- gehalt (10 “/ol, das an seinem Erzeugung.sorte schon lange als Volksmittel (Pechül) in Gebrauch ist. Durch Einwirkung konzentrierter Schwefelsäure entstehen Sulfo- säiiren, deren mit Ammoniak neutralisiertes Gemenge unter dem Namen Ichthyol (d. h. Fischöl) schlechtweg oder Ammonium sulfoiclithyolicum seit einer Reihe von Jahren als ,.vorsinttlutliches Heilmittel“ in den Handel kommt. Braune bituminöse Masse von widerlichem Geruch und Geschmack. Aus der großen Anzahl darüber vorliegender l’ublikationen ist vorläufig nur zu entnehmen, daß es auf derHautreduziereiul(kerato])las(isch) und gefäßvereugerend wirkt und bei Ekzemni, Akne, FrosMiü'den, Erysipel gute Erfolge aufweist. Die Augenärzte verwenden es bei einzelnen Formen von Conjunefivitis und bei Trachom. Außerdem zeigte es bei der Behandlung von Vterinexsudaten, per vaginam häufig sehr zufriedenstellende Wirkungen, desgleichen innerlich bei ahnonnen Zersetzungen im Darme. iMau verordnet e.s für die Haut und das Auge als Salbe, oder Paste, für die Vagina in Form von Suppositorien oder von Tampons, die mit 10prozentiger Lösung imprägniert sind. Innerlich gibt man es in Pillen oder Kapseln zu 0.2 oder neuerdings als Ichthalbin (Ichthyolalbumiii), einem graubraunen Pulver, das durch mehrstündiges Kochen von Ichthyol mit Eiweiß erhalten wird und erst im Darm (bei alkalischer Reaktion) sich löst res[). in seine Komponenten zerfällt. In TMol oder sog. künstlichen Ichthyol ist diesem 3Iittel neuerdings eiu Konkurrent erwachsen. Zu seiner Darstellung werden ungesättigte Kohlenwasser- stoffe (aus .sog. Ga.söl) durch Erhitzen mit .Schwefel .sulfuriert und durch Ein- wirkung konz. .Schwefelsäure (.'-Sulfonierung) in löslichen Zustand übergeführt. Anhang. Antiscabiosa und Antiblennorrhoica. Die hierlier geliörigen Mittel tverdeii in dei' pliarma- zeutischen Noinenclatur als Balsame bezeichnet. Es sind dicke flüssige Anflüsnngen von Harzen in öligen aromatischen Estern oder in Terpenen. Die Antiscabiosa haben ausgesprochene antiparisitäre M irkung und reihen sich daher naturgemäß den Antiseptica an. Bei den Antiblennorrhoica besteht eine gewisse 'Wahr- scheinlichkeit, daß ihre therapeutische Anwendung wenigstens zum 'Peil auf einer analogen Wirkung beruht.](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b28096137_0147.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)


