Lehrbuch der Arzneimittellehre und Arzneiverordnungslehre : unter besonderer Berücksichtigung der deutschen und österreichischen Pharmakopoe / von H. v. Tappeiner.
- Tappeiner, H. von (Hermann von), 1847-1927.
- Date:
- 1907
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Credit: Lehrbuch der Arzneimittellehre und Arzneiverordnungslehre : unter besonderer Berücksichtigung der deutschen und österreichischen Pharmakopoe / von H. v. Tappeiner. Source: Wellcome Collection.
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![das Apomorphin alle für das Morphin charakteristischen vielseitigen Wirkungen eingebüßt. In Gaben gleich denen des Morphins ergreift es nur einen einzigen winzigen Punkt des Nervensystems, der durch Morphin nur zuweilen erregt wird: das Brechzentrum. In größeren Dosen breitet sich nach Tierversuchen zunächst die Erregung weiter aus, es kommt zu i)sychomotorischen Erregungen, zu Konvulsionen und schließlich zur Lähmung des Atmungszentrnms. Lei Erösclien wird die quer- gestreifte Muskulatur und das Herz gelähmt. Anwendung. Als subkutan apjjUzierhares direktes Brech- mittel hat das Apomorphin viele Vorzüge vor den indirekt wirkenden: Das Erbrechen erfolgt prompt (nach 5—10 Minuten), die Nausea ist kurz, der folgende Kollaps meist nur mäßig und der Magen wird geschont. Bei steckengebliebenen Massen in der Speiseröhre, bei Vergiftungen, wenn bereits Bewußtlosigkeit und Unvermögen zu schlucken vorhanden ist oder der innerlichen Darreichung von Brechmitteln heftiger Widerstand entgegengesetzt wird (Selbstmörder und Geisteskranke), ist es das einzig anwendbare. Die Dosen sind 0,005—0,01 für Erwachsene und 0,0005—0.005 für Kinder. Um das Mittel immer rasch zur Hand zu haben, fülirt man es in Gestalt kleiner käuflicher Tabloids mit sich und löst ein solches unter Zerdrücken und Erwärmen in 1 ccm Wasser, zu dessen Abmessung man die rravatzsche Spritze benützen kann, mit der man dann die Injektion ausführt. Hei aufgeregten Geisteskranken und Alkoholikern wirkt das Apomorphin durch den auf das Erltreclien folgenden Kollaps beruhigend uml einschläfernd und kann in diesem Sinne verwendet werden. k\s, E'xpectorans innerlich in Pillen oder Tropfen zu 0,001—0,005 ist Apomorphin recht brauchbar, vermöge des Umstandes, daß es bei dieser Applikation nur langsam und erst in 10 fach höherer Dosis Erbrechen bewirkt. H- Apomorphini liydrochlorici 0, Rad. et Succi Liquirit. dep. ana 3; M. f. pil. No. 30. DS. 2 stündlich 2—3 Pillen zu nehmen. [Expectorans.] IV Apomorphini hydrochl. 0,05 A(iuae 20,0 Sirup. Althaeae 10,0 MDS. 1—2stündlich 20—40 Tropfen zu nehmen. [Expectorans.] IV Apomorphini hydrochl. 0,05 Aquae 5,0 MI), ad vitrum nigrum. S. Zur subkut. Injektion. ['/•2—1 Pravazsche Spritze bei Erwachsenen, '/)0—'/2 Vei Kindern.] [Emeticum.]](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b28096137_0162.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)


