Lehrbuch der Arzneimittellehre und Arzneiverordnungslehre : unter besonderer Berücksichtigung der deutschen und österreichischen Pharmakopoe / von H. v. Tappeiner.
- Tappeiner, H. von (Hermann von), 1847-1927.
- Date:
- 1907
Licence: In copyright
Credit: Lehrbuch der Arzneimittellehre und Arzneiverordnungslehre : unter besonderer Berücksichtigung der deutschen und österreichischen Pharmakopoe / von H. v. Tappeiner. Source: Wellcome Collection.
169/394 page 157
![ärztliclier Erfahrung bei verschiedenen Kranklieiten, in derzeit nicht näher analysierbarer Weise mit Vorteil venvendbar, so namentlicli bei Ulcus vmtriculi, chronischen Magen- und Darmkatarrhen, Pfortaderstauungen, Leberleiden und Stoffwechselerkrankungen z. B. bei Diabetes und sog. Fettsucht. Abführende Mineralwässer. Sie unterscheiden sicli zunäclist dnrcli dieTem])eratur und den Gehalt an Kohlen- säure. Jleides ist mitbestiniuiend für die Stärke der Wirkung. Kalte und kohlenaäure reiche Wässer sind stärker als wanne und entgaste. .\atdi dem Salzgehalte unterscheidet man 2 .\rten. 1. Alkaliseh-salinische Wässer mi t Glaubersalz als Hau))tbestandteil neben Kochsalz und Natriumbikarbonat. Das bekannteste ist Karlsbad. Seine zahlreichen heißen Quellen, S))nidel Mühlbninnen, Schloßbrunnen, enthalten in 1000 Teilen ca. 2,4 Natriumsnlfat 1,8 Natriumbikarbonat und 1,0 Chlornatrimu neben viel freier Kohlensäure. Eine Mischung dieser Salze ist unter dem Namen *fkünstliehes Karlsbader Salz. Sal Carolinum factitium offizinell. 1 Teelöffel (5—6 g) desselben in 11 wannen, Wassers oder, um auch etwas freie Kolüensäure zu haben, in „Sodawasser“ ge- löst, rei)räsentiert ein dem Karlsbader Wasser ähnliches Getränk. Von natürlichem Karlsbader Salz werden zwei Präparate versandt; Das ältere, ..S]irudelsalz“, durch Kristallisierenla.sseu des konzentrierten Wassers gewonnen, besteht fast ausschließlich aus Glauberalz, weil dieses sich zuerst ausscheidet, das neue Quellsalz, wird durch vollständiges Eindampfendes Wassers bis zur Trockne gewonnen und enthält darum alle seine P>estandteile und ist dem künstlichen Salz gleichwertig. Neuerdings wird auch ein Karls- bader Brausejiulver, das auch die Kohlensäure des Mineralwa.ssers entwickelt- in den Handel gebracht. Karlsbad in der Ztisammensetzung am nächsten stehen die kalten Quellen von Eranzensbad, wogegen jene von Marienbad und Elster doppelt so reich an Glaubersalz sind, also viel stärker abführend wirken. Tarasp (Engadien) hat gleichen Gehalt an Glaubersalz wie Karlsbad, aber dreimal so viel Kochsalz und Natriumbikarbonat. liohitsch (Steiermark) i.st ein schwaches Glaubersalz- wasser mit Natriumkarbonat und Spuren von Kochsalz. 2. Bitterwässer führen bedeutende Mengeu von Magnesiunnsulfat oder andere abführende Magnesiumsalze (C'hlormagnesium, saure kohlen.saure .Magnesia) und Glaubersalz, z. B. die Ofener Bitterwässer 22—50 /oo; Püllna, Saidschitz und Seidlitz in Böhmen. Zu längerem Gebrauche .sind nur jene Wässer geeignet, welche größere. Mengen von Kochsalz enthalten: Friedrichshall in Sachsen-Meinigen. (30 ®/co abführende Salze, 25 “/«o Kochsalz). Die meisten dieser Wäs.ser werden mehr versandt als an der Quelle getrunken. Beim Öffnen solcher Flaschen bemerkt man nicht selten einen Geruch nach Schwefelwasserstoff infolge Reduktion der Sulfate, ein Prozeß, der auch im Dann- kaual beim Gebrauch dieser Wäs.ser, nach dem Geruch der Stühle zu urteilen, in geringem Umfange einzutreten scheint. Seltener gebrauchte abführende Salze; *tNatrium phosphoricum, phosphorsaures ISTatrium, NasHPO^ -f 12H2O von schwach alkalischer Reaktion und salzigem, nicht bitterem Geschmack, wirkt](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b28096137_0169.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)


