Lehrbuch der Arzneimittellehre und Arzneiverordnungslehre : unter besonderer Berücksichtigung der deutschen und österreichischen Pharmakopoe / von H. v. Tappeiner.
- Tappeiner, H. von (Hermann von), 1847-1927.
- Date:
- 1907
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Credit: Lehrbuch der Arzneimittellehre und Arzneiverordnungslehre : unter besonderer Berücksichtigung der deutschen und österreichischen Pharmakopoe / von H. v. Tappeiner. Source: Wellcome Collection.
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![(len vorausgegangeiien, worauf indes erst in Kapitel 2-1 eingegangen werden soll. Die durch ihre physikalisch-chemisclien Eigenschaften (Erhüluing der inneren Reibung) wirkenden ^^ucilag^nosa sollen ebenfalls erst in dem ihnen gewidmeten Kapitel näher besprochen werden. Es bleibt daher nur noch eine letzte Art von Arzneiwirkung zu besprechen übrig — die molekulare H asser- U7ul Salzwirkung. Sie kennzeichnet sich durch den Ein- resp. Austritt von Wasser- und Salzmolekiileii. also durch Veränderung des Quellungs- und Salzgehaltes der Gewebe, und kommt jedesmal zur Geltung, wenn der von der Zahl der gelösten Moleküle abhängige osmotische Druck im Innern der Zelle und im umgebenden iMedium ein ungleicher ist — in reiner Form indes nur bei destilliertem Wasser resp. jenen neu- tral reagierenden Salzen, deren Komponenten (Jonen) keine eigene pharmakologische Wirkung besitzen (Natriumchlorid, Natriumsulfat, Natriumnitrat u. s. w.). Die Wechselbeziehungen, welche die meisten Organe zu ein- ander unterhalten, bringen es nun mit sich, daß häufig auch Organe, welche vom Arzneistofte gar nicht berührt werden, in IMitleiden- schaft gezogen werden. Ätzung (Katarrh) des Verdauungstraktus führt zu allgemeinen Plrnährungsstörungen, Atmungslähmung zu Erregungen motorischer Zentralorgane (Krämpfen); Herz- und Gefäß- lähmung umgekehrt zu zentralen Depressionen. Auch an einem und demselben Organ, wenn es verschiedene Funktionselemente enthält, läßt die veränderte Tätigkeit die Art der Wirkung nicht ohne weiteres erkennen. Verstopfung z. B. ist nicht immer Folge der Lähmung der ^luskulatur des Darmes, sondern bisweilen durch kram]»fartige Erregung derselben bedingt; Pulsbe.schleunigung wird oft nicht durch Erregung der motorischen Herzganglien, sondern durch Lähmung der Hemmungsganglien betyirkt. In ähnlicher M eise können auch manche nervöse Aufregungszustände, Delirien, Tobsucht und Krämpfe auf Lähmung zentraler Hemmungsvorrich- tungeu beruhen. Die nach außen sich geltend machenden Er- scheinungen (Symittome) vermögen daher über Ort und Art der AVirkung eines Stoffes nichts Sicheres auszusagen. Dies ergibt sich erst durch die planmäßige experimentelle Fntersuchung, welche zu- nächst aus dem Gewirre von nächsten und entfernten P'olgen oder wie man sich zu sagen gewöhnt hat, von Wirkungen die direkten und indirekten Wirkwigen zu scheiden hat, um so zur Auffindung dei Organe und Organteile zu gelangen, welche den eigentlichen Angriffsort des wirkenden Stoffes bilden.](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b28096137_0017.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)


