Lehrbuch der Arzneimittellehre und Arzneiverordnungslehre : unter besonderer Berücksichtigung der deutschen und österreichischen Pharmakopoe / von H. v. Tappeiner.
- Tappeiner, H. von (Hermann von), 1847-1927.
- Date:
- 1907
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Credit: Lehrbuch der Arzneimittellehre und Arzneiverordnungslehre : unter besonderer Berücksichtigung der deutschen und österreichischen Pharmakopoe / von H. v. Tappeiner. Source: Wellcome Collection.
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![eignet, die .Mehrzahl der eben genannten Indikationen zu erfüllen. Zu der hierzu nötigen fortgesetzten Aufnahme grober Mengen (Trinkkuren) ist indes gewöhnliches Wasser wenig brauch- bar. Es ist meistens zu arm an Salzen und an Kolilensäure, da- her reizlos und nur langsam resorbierbar. So bleibt es ilenu längere Zeit im iMagendarmrohr liegen und hat Zeit, dessen Schleimhaut durch Quellung und Salzentziehung zu schädigen. Die akuten Symptome dieser Schädigung, Übelkeit und Erbrechen treten be- kannilich nach dem Trinken von abgekochten Wasser oder von Schneewasser sehr leicht auf. Es müssen also korrigierende Zusätze gemacht werden, die verschieden zu wählen sind, je nach dem Zwecke, den man durch das Trinken von Wasser verfolgen will. Soll es durstlöschend wirken, also im Körper verbleiben und dessen Wasserverlust aus- gleichen, so nimmt man saure Getränke (Kap. XII). Soll es den Körper in Form von Schweiß verlassen, so verordnet mau aroma- tischen heißen Tee (Kap. XIII). Soll es aber seinen Weg durch die Niere nehmen, so wählt man nichtabführende, schwache alkalische oder muriatische Wässer oder verdünnte i\Iilch, w’eiiii man gleich- zeitig für die Ernährung sorgen will. Die in diesen Flüssigkeiten ent- haltenen Salze resp. der Zucker der i\Iilcli sorgen als Diuretica dafür, daß das resorbierte Wassei’ die gewünscKte Richtung auch einschlägt. Auch schwache Kochsalz Wässer sind zulässig, wenn man die Förderung der Bildung von Oedemen durch Salzretentioii nicht zu besorgen braucht. Die auf diese Weise per os oder durch Einläufe per anum aus- geführte Durchspülung des Körpers mit großen iMengen Wasser hat in <ler Regel eine Vermehrung der Stickstotfaus-scheidung im Harne für kui-ze Zeit zur Folge, welche zum Teil auf der Beschleunigung der Aus- fuhr der bereits vorgebildeten N-haltigen Stotfwechselprodukte beruht, zum anderen Teil im verstärkten Zerfall von Organeiweiß ihren Grund hat. Es besteht wohl kein Zweifel, daß diese Wirkung des Wassei's beim Erfolge der zur Behandlung innerer Organe vorgenommenen Trinkkuren beteiligt ist. Subkutane und intravenöse Infusionen. Bei ihnen ist im er- höhten Maße darauf zu achten, daß die verwendete Salzlösung das osmotische Gleichgewicht nicht stört, also weder durch zu hohe Konzentration (Hypertonie) Schrunnifung, noch durch zu niedrige Kon- zentration (Hypotonie) Quellung der Gewebezelleu hervorruft. Da die Salze aber physiologisch einen sehr verschiedenen Wert haben, müssen sie außerdem auch in ihrer qualitativen Zusammensetzung der Salzlösung, welche die Zellen umspült, adaequat sein. Dieser V. Tappoinor, Atzneimittollohro. 6. Auflago. ]2](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b28096137_0189.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)


