Lehrbuch der Arzneimittellehre und Arzneiverordnungslehre : unter besonderer Berücksichtigung der deutschen und österreichischen Pharmakopoe / von H. v. Tappeiner.
- Tappeiner, H. von (Hermann von), 1847-1927.
- Date:
- 1907
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Credit: Lehrbuch der Arzneimittellehre und Arzneiverordnungslehre : unter besonderer Berücksichtigung der deutschen und österreichischen Pharmakopoe / von H. v. Tappeiner. Source: Wellcome Collection.
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![Forderung der physikalischen und ])hysiologischen Isotonie ent- spricht die sog. pliysiologische Koclisalzlüsung von u,G—0,8 ®/o im ersten Punkte genau, im zweiten wenigstens annähernd, zufolge des Umstandes, daß die Salze der Gewebe hauptsächlich aus Kocli- salz bestehen. Völlig erreicht wird dieses durch die sog. Rin ger’sch e Lösung, das ist eine physiologische Kochsalzlösung mit Zusatz ge- ringer jMengen von anderen Salzen, z. B. 0,04 «/o Kaliumchlbrid, 0,02 Calciumchlorid und 0,01 '^/o Natriumbicarbonat. Infusionen solcher Lösungen zu 1—2 Liter in 15—30 Minuten können sowohl subkutan wie intravenös ausgeführt und nötigen- falls 3—4 mal im Tage wiederholt werden, ohne daß eine erheb- liche Blutdrucksteigerung oder sonstige Schädigung zu befürchten ist, denn der Organismus paßt sich ihnen sofort an, indem einerseits durch Nachlaß des Gefäßtonus Raum geschafft wird, andererseits die Lösungen rasch in die Gewebe übergehen. Von dort kehren sie langsam wieder in das Blut zurück, um sofort ausgeschieden zu werden. Man hofft durch diese Infusionen eine „Oi'ganismuswaschung“ d. h. eine rasche Ausscheidung von Giften, Toxinen und anderen Schäd- lichkeiten zu erzielen. Ob dieser Zweck wirklich in erheblicherem Umfange erreicht wird, ist zweifelhaft. Tatsache hingegen ist, daß solche subkutane oder intraveinise Infusionen nach anderer Richtung, zumal bei Blut- verlusten und Blutvergiftungen, gutes geleistet, ja selbst lebens- rettend gewirkt haben. h) Mittelf welche den Geweben Wasser entfliehen. (Diuretische Salze.) Im Blute gelöste, für den Organismus nicht mehr brauchbare Stoffe bedürfen zu ihrer Ausscheidung durch den Harn einer ge- wissen Menge Wassers, welche sie damit dem Organismus entziehen. Solche „harnfähige“ Stoffe werden zum Teil im Körper durch Zer- setzung der Nahrung gebildet. Fette und Kohlehydrate verbrennen nahezu glatt zu Wasser und Kohlensäure, die stickstoffhaltigen Nahrungsmittel hingegen liefern eine größere Menge von stickstoff- haltigen Auswürflingen (Harnstoff, Harnsäure usw.). Konzentrierte eiweißhaltige Kost bei entsi)rechender Reduktion der Getränke wirkt darum entwässernd auf den Organismus, was beim Training und bei gewissen Stoffwechselkuren bekanntlich be- nützt wird. In ähnlicher Art wirken auch die von außen in das Blut aufgenommenen Salze der Alkalien. Im Austausche mit den](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b28096137_0190.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)


