Lehrbuch der Arzneimittellehre und Arzneiverordnungslehre : unter besonderer Berücksichtigung der deutschen und österreichischen Pharmakopoe / von H. v. Tappeiner.
- Tappeiner, H. von (Hermann von), 1847-1927.
- Date:
- 1907
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Credit: Lehrbuch der Arzneimittellehre und Arzneiverordnungslehre : unter besonderer Berücksichtigung der deutschen und österreichischen Pharmakopoe / von H. v. Tappeiner. Source: Wellcome Collection.
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![fiihrlich bei jener Applikationsweise wiederholt, welche weitaus am häuligsten zur Anwendung kommt, nämlich bei Einatmung seines gehörig mit Luft gemischten Dampfes: Das erste, wa.s beobachtet wird, sind JUrscheinuntjen ört- licher lieizumj. Der Chloroformdampf reizt die Schleimhaut der Augen, der Atmungswege und des Mundes. Gefühl von Breimen, Rötung, Speichel- und Tränenfluß, Husten und später auch Er- hrechen wegen Yerschluckung chloroformhaltigen Speichels sind die unmittelbaren Folgen. Durch die örtliche Reizung werden ferner noch Reflexe auf Atmung, Herz- und Gefäßzentrum veranlaßt. Durch die Reizung der Nasenschleimhaut erfolgt eine vorübergehende Stockung der Atmung unter Glottis Verschluß, verbunden mit Pulsverlangsamuiig und Ansteigen des Blutdrucks. Es ist ein Henimungsreflex, denn die Erscheinung kommt nicht zu stände, wenn die sensiblen Nerven- endigungen der Nasenschleimhaut vorher durch Cocain gelähmt werden. Der Reflex hat die Bedeutunfj eine)- Ahwehrmalb-eyel des Orgaiiisimis. Er tritt auch bei Einwirkung anderer reizender I)äni])fe, z. B. Tabaksrauch, Ammoniak, auf. Beim Kaninchen erscheint er ganz regelmäßig, beim Menschen kann er durch den Willen beschränkt oder aufgehoben werden, so daß gewöhnlich schon die kategorische Aufforderung zu atmen oder ein kräftiger Hautreiz genügt, um die Herztätigkeit und Atmung Avieder in Gang zu bringen. Mit völliger Sicherheit darf aber darauf nicht gerechnet Averden ('rodesfälle durch „Sliok“). Mit dem Vordringen des Chloroforms in die Bronchien tritt eine Beschleu- nigung der Atmung auf. Sie wird durch Reizung der sensiblen Tnuigenäste des Vagus veranlaßt und unterbleibt, Avenn dieser am Halse durchschnitten ist. Die gleichzeitige, aber nicht immer vorhandene Frequenzerhöhung des Pulses und die Erregung des Gefäßzentrums sind ebenfalls reflektorische Vorgänge. Die genannten örtlichen Reizerscheinungen verlieren sich bald, vielleicht zum Teil durch den Einti'itt lokaler Anästhesie, und die Folgen der Resorption kommen nun rein zur Geltung. Die resorptiven JErscheinungen beginnen mit einem rauschartigen Zustande, bestehend in lautem sinnlosen Reden, Un- ruhe, lebhaften Muskelaktionen, auch wohl Krämpfen klonischer und tonischer Art. Gleichzeitig ist das Gesicht infolge Erwei- terung der Kopfgefäße lebhaft gerötet und turgeszent. Man nennt diesen Zustand gewöhnlich das Stadium der Erregung (Exci- tation), welche Bezeichnung beibehalten werden kann, wenn man damit nicht die Vorstellung einer allseitigen Erregung verbindet. Es werden nämlich nach Kraepelins Untersuchungen die senso- riellen und intellektuellen Funktionen sofort abgeschwächt und nur die motorischen vorübergehend gesteigert, wobei es aber fraglich bleibt, ob dies als echte Erregung aufzufassen oder nur dem Um-](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b28096137_0199.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)


