Lehrbuch der Arzneimittellehre und Arzneiverordnungslehre : unter besonderer Berücksichtigung der deutschen und österreichischen Pharmakopoe / von H. v. Tappeiner.
- Tappeiner, H. von (Hermann von), 1847-1927.
- Date:
- 1907
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Credit: Lehrbuch der Arzneimittellehre und Arzneiverordnungslehre : unter besonderer Berücksichtigung der deutschen und österreichischen Pharmakopoe / von H. v. Tappeiner. Source: Wellcome Collection.
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![ernstere Fall —, dann muß zur künstlichen Eespiration noch indirekte oder direkte Herzma.ssagc (im Tempo des schneUeu Pulses ausgeführte, rhythmische Kompres- sion der Herzgegend oder, wenn dies nicht genügt, des operativ freigelegten Herzens selbst) hinzutreten und so lange unterhalten werden, bis durch diesen künstüch unterhaltenen Kreislauf so viel Chloroform aus der Lunge abgedunstet ist, daß die Lähmung des Herzens zurückgeht. Erst wenn dies nach einer Stunde noch nicht erfolgt ist, kann die Aussicht auf Rettung als definitiv geschwunden angesehen werden. Parallel mit diesen mechanotherapeutischen Jlaßnahmen haben die pharniako- therapeutischen zu gehen: Kampferinjektionai, Kochsalzinf'usion. Prophylaxis der Chloroformvergiftung. 1. Genaue voihetige T ntersuchung der Ivreislauforgcine, der f^unge U7ul des allgemeinen llabifns, um zu ersehen, ob Narkose kontraindiziert oder nur mit äußerster Vorsicht durchführbar ist. 2. Beinhcit des Chloroforms. 3. Große Verdünnung des Chloi-o form dumpfes mit Luft. Das Blut (des Hundes) enthält an Chloroform bei tiefer Narko.se 0,01—0,04 ”/o = nicht ganz 2 g für die gesamte Blntmenge eines erwachsenen idenschen, nach tödlicher Narkose 0,04—0,00 ®/o, bei voller Sättigung durch Einleitung von Chloro- fomidampf 0,0®/o (Pohl). In diesen Verhältnissen liegt die Gefahr der Narkose, indem die Dosis therapeutica und letalis nahe hei einander liegen, und das Blut noch zehnmal darüber hinaus vom Gifte aufzunehmen vennag. Der letale Ausgang kann nach den Untersuchungen von Snow, Kronecker, Rosenfeld sicher umgangen wenlen bei Verwendung dosierter Gemische, d. h. bei Inhalation von Luft, welcher genau gemessene Mengen von Chlorofonndampf beigemisclit sind. Ein Volum])rozent Chlorofom == 8,0 g pro 100 Liter Luft erzeugt noch volle Narkose, aber selbst bei stundenlanger Einwirkung noch keine bedrohlichen Wirkungen auf Atmung oder Kreislauf. Dreser, Geppert und Kionka haben für Kliniken verwendbare Apparate zur Herstellung genau dosierter Ge- mische kon.struiert. Vorläufig sucht man in der Praxis dieser Forderung durch die sog. Tropfmethode, .,20—25 Tropfen pro Minute des dem Chloroform Anschütz beigcgebeneji Tropfers bis zum Eintritt der Toleranz, 6—10 pro Minute zur weiteren Unterhaltung“, in freilich sehr unvollkommener Weise nachzukommeu, da es natürlich einen großen Unterschied macht, ob der Tropfen während der Inspiration oder Exspiration auf die Maske fällt, ob dies auf die Jlitte der Maske, Mund und Nase gegenüber, oder mehr auf die Peri])herie geschieht, ob die Maske dem Gesichte dicht aufliegt oder von ihm etwas entfernt gehalten Avird usw. 4. Unausgesetzte Beohachtnng des Chloroformierten. Neben Atmung und Puls kommt die Blutfüllung, resp. Färbung des Gesichtes in Betracht. Cj’anose zeigt die beginnende Erstickung, Erblassen (Weißwerden der Lippen) den drohenden oder bereits eingetretenen HerzstilLstand an. Eben.so gibt das Verhalten des Auges gute Anhaltspunkte zur Beurteilung der Narkose. Die Augäpfel sind zu Anfang der Narkose nach oben gericJitet, so daß die Pupillen hinter den oberen Lideni versteckt sind. Später stellen sie sich wieder gerade und machen häufig dissoziierte BeAvegungen. Die Pupille ver- engt sich mit Vertiefung der Narkose immer mehr. Bei Eintritt von Erbrechen oder bei beginnendem Erwachen erAveitert sie sich, ebenso erAveitert sie sich stark bei drohender Aspliyxie infolge Kohlensäureanhäufung im Blute.](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b28096137_0202.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)


