Lehrbuch der Arzneimittellehre und Arzneiverordnungslehre : unter besonderer Berücksichtigung der deutschen und österreichischen Pharmakopoe / von H. v. Tappeiner.
- Tappeiner, H. von (Hermann von), 1847-1927.
- Date:
- 1907
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Credit: Lehrbuch der Arzneimittellehre und Arzneiverordnungslehre : unter besonderer Berücksichtigung der deutschen und österreichischen Pharmakopoe / von H. v. Tappeiner. Source: Wellcome Collection.
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![kaiial für das Kniälirnii<2:sgescliäft lier^erichtet ist, .so hat er für die tlierapeutisclie Verwendung- doch viele Nachteile. Ks handelt sich eben hier nicht um allmähliche Aufsaugung- großer i\lasseii, sondern um rasche und vollständige kleiner. Zunächst ist der ]\lageii keineswegs ein sehr hervorragendes Resorptionsorgaii, er steht in diesem Vermögen gegen den Darm Aveit zurück. Zweitens bedingt der Fülliingsziistand oft eine große Verzögerung der Resorption und auf alle Fälle eine Unsicherheit der Zeit ihres Eintrittes. 3[aii sucht dies zu vermeiden, indem man die Arzneien nüchtern vor der 3[ahl- zeit gibt. Nur für scharfe, die Magenschleimhaut auätzende i\Iittel Avählt man absichtlich die größte Füllung, die Zeit nach der Mahl- zeit. Drittens Averden viele Stoffe im Darmkanal zersetzt und un- Avirksam gemacht, andere überhaupt nicht resorbiert, und viertens endlich muß selbst nach der Aufnahme durch das Blut das Mittel noch die Leber passieren, Avelche bekanntlich die Fähigkeit hat, viele Stoffe zurückzubehalten. Alle diese Verhältnisse bedingen eine große Unsicherheit. Hierzu kommt noch, daß selbst in den günstigsten Fällen, Avenn das leicht aufsaugbare Mittel bereits gelöst in den leeren Magen kommt, zwar Avohl die ersten l\roleküle schon nach 5 ^Minuten auf- gesaugt und selbst bereits in Sekrete übergetreten sind (Jodkalium im Speicheb, die Hauptmasse aber erst in 10—15 ^Minuten und die letzten Reste erst zu einer Zeit eintreffen, Avenn die ersten schon lange Avieder ausgeschieden sind. Es kann daher nie die ganze gereichte Gabe gleichzeitig im Blute zugegen sein und zum Angriff in den Organen gelangen. Die Wirkung erreicht daher nur eine gewisse Hödie, Avelche ganz allmählich geAVonnen und ebenso all- mählich Avieder aufgegeben Avird. Dem Wege per os in der Eigenart der Resorption sehr ähnlich ist die Aufnahme durch den Dickdarm. ]\ran Avählt ihn, Avenn man den iMagen .schonen Avill, oder das l\Iedikament seines schlechten Geschmackes Avegen sonst nicht genommen Avird. Für vorausgehende Reinigung durch ein Entleeningsklystier muß gesorgt sein, auch darf das 3Iedikament nicht stark reizen, und sein Volum nicht groß sein, sonst Avird es vorzeitig au-sgestoßen. 1—5 ccm mittelst einer kleinen Spritze und passend gebogener, 2—3 cm langer, stumi)fer Kanüle appliziert, reichen für viele j\ledikaniente (IMorphin, Anti- pyrin, Solutio arsenicalis usav.) aus. Zu diesen Aufnahmsorten in Gegensatz steht die unmittelhare Aufnahme ln das Blut durch intravenüse bijeküon oder Lifuslon. Hierbei kommen alle dui'ch den Aufsaugungsvorgang gesetzten be-](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b28096137_0021.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)


