Lehrbuch der Arzneimittellehre und Arzneiverordnungslehre : unter besonderer Berücksichtigung der deutschen und österreichischen Pharmakopoe / von H. v. Tappeiner.
- Tappeiner, H. von (Hermann von), 1847-1927.
- Date:
- 1907
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Credit: Lehrbuch der Arzneimittellehre und Arzneiverordnungslehre : unter besonderer Berücksichtigung der deutschen und österreichischen Pharmakopoe / von H. v. Tappeiner. Source: Wellcome Collection.
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![als haiitreizendes und blaseu/dehendes Mittel in Form von (’liloral- Triigautliptiastern als Ersatz der Kantliariden zu verwenden. Resorpiiv wirkt es dem Chloroform anlog wegen der Niclit- llüchtigkeit jedoch viel anhaltender. 1,5—3,0 setzen die Erregbar- keit des Gehirnes ohne Exzitationsstadinm sofort so weit herab, dali Schlaf erfolgt. Größere Gaben lähmen es vollständig, erzeugen deshalb unaiifweckbaren Schlaf und führen durch Ausbreitung der Lähmung auf das Kiickenmark auch zu Reflexlosigkeit. Im verlängerten Mark stellt das Gefäßnerven Zentrum zuerst seine Phinktion ein, dann folgt das Atmungszentrum, auch das Herz wird stark geschwächt, unter normalen Verhältnissen jedoch erst nach dem Atmungsstillstande völlig gelähmt. Hei längerem Gebrauche hat man chronische Vergiftung in Gestalt von Verdauungsstörungen, Hautexanthemen, Lid- schwellung und Conjunctivitis beobachtet; auf starken Mißbrauch folgt körperlicher und geistiger Verfall ähnlich wie nach Alkohol. Der Ei weiß zerfall wird erheblich gesteigert. Die Ausscheklimg des Chloralhydrats durch den Harn erfolgt zum Teil als gepaarte Gl^^kuronsäure, die sich unter Wasser- aufnahme leicht in ihre Komponenten, Glykuronsäure und Chloral- kohol, spaltet: CCLCH2—0—CtiHijOü-(-H2O = CCI3CH2OH H- CtiHi)0«0H Trichlorätlu'lglykuronsäure = Trichloriithylalkohol Glykuron.säure Der Harn gewinnt infolge dieser Mitreißung des Zuckerabkömmlings Gly kuronsäure) reduzierende l^igenschaften. Eine Zerlegung des Chlorals zu Chloroform (vgl. Darstellung des Chloroforms) durch das Blutalkali, worauf anfänglich die Chloral- wirkung zurückgeführt wurde, kann im Organismus nicht nachge- wiesen Averden. Anwendung, Die Einführung des Chloralhydrats in die Therapie (durch Liebreich 1869) als Schlafmittel suchte ein dringendes Bedürfnis zu beseitigen. Bisher kannte man nur das Morphin (Opiumi, dessen unangenehme Neben- und Nachwirkungen — Übelkeiten, Kopfschmerzen, Versto])fung und leichte (jrewöhnung — oft störend empfunden wuivlen. An seine Stelle trat nun hei jenen Zuständen von Schlaflosigkeit, welche auf einfächer psychischer Aufregung (Nervosität), nicht auf Schmerzen und Hustenreiz be- ruhen, das Chloral. Dasselbe erzeugt in Gaben A’on 1,5 —2,5 (Kindern je nach nach Alter o,l—1,0) sicher und prompt einen an- dauei-nden Schlaf meist ohne wesentliche Neben- und Nach- wiikuugen.](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b28096137_0211.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)


