Lehrbuch der Arzneimittellehre und Arzneiverordnungslehre : unter besonderer Berücksichtigung der deutschen und österreichischen Pharmakopoe / von H. v. Tappeiner.
- Tappeiner, H. von (Hermann von), 1847-1927.
- Date:
- 1907
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Credit: Lehrbuch der Arzneimittellehre und Arzneiverordnungslehre : unter besonderer Berücksichtigung der deutschen und österreichischen Pharmakopoe / von H. v. Tappeiner. Source: Wellcome Collection.
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![*Atnylenum hydralum, Amylenhydrat, (CIlnb.CiH&.C.Oll, farblose, Hüchtiye, in S Wasser lö.sliehe l-'lüssiiikcit von ätherisch-gewürzhaftein Gerüche und breuuen- deni Gescbniacke. Der gc-wühnliclie Alkohol CIlsl'lhOH i,st wegen der l)ekanuten, der Hypnose vorausgehenden Erscheinungen und der Nachwehen nur unter ge- wissen Umständen als Sehlafinittel verweiulbar. Mau suchtt; daher unter seinen zahlreichen Homologen diesen als den brauchbarsten heraus. Es bewirkt in Guhcn von 2,0-—1,0 ruhigen Schlaf ohne wesentliche Störung von Kreislauf und Atmung oder andere Nebenwirkungen. An Stärke der Wirkung steht es zwischen (’hloral und Paraldehyd. ])ie Verordnung geschieht in Leini- kapseln oder in Hier, 1 Teelöffel auf ein kleines Glas nach gutem Umrühren. Auch per rectum ist es ai»i»lizierbar. Urethan, weiße, in Wasser leicht lösliche Kristalle, erhalten durch Ein- wirkung von Alkohol auf Harnstoff. NHa.CO . NH'i -f- H 1 O.C-.iH5 = NHsCO.O.Calis -f NH.t Ham.stoff Alkohol Urethan Das Urethan erzeugt, vermöge seiner Eigenschaft als Fettkörper, Schlaf und hat infolge Anwesenheit der NHa-Gruppe, welche anregend auf Gefäß- und Atmuugs- zentrum wdrkt, selbst in hohen Gaben, keinen nachteiligen Einfluß auf Blutdruck und Atmung (Schmiedeberg). Dieses Mittel wäre demnach das gesuchte ideale Hypnoticum. Leider ist seine Wirkung beim Menschen — in Gaben von 2,0—4,0 — nicht intensiv genug. Auch das später dargestellte Pentylurethan (Hedonal) hat sich nicht als ausreichend erwiesen. *Chloralnm formami datum, Chloralformamid. Weiße, in kaltem Wasser langsam lö.sliche Kristalle. Die Hoffnung, durch Addition des Fonnamids, NH2COH die Giftigkeit des Chlorals ohne Beeinträchtigung seiner hypnotischen Wirkung zu mnidern, hat sich nur teilweise erfüllt. Die schlaferzeugende Dosis liegt höher, durchschnittlich 3,0, und der widerliche Geschmack und die lähmende Wirkung auf Atmung und Kreislauf ist nicht ausreicheud beseitigt. Das Mittel ist daher gegeinvärtig so ziemlich Avieder außer Gebrauch gekommen. Veronal, Diaethylmalonylharnstoff, Aveiße, in 145Teilenkaltem, 12 Teilen kochendem Wasser mit bitterlichem Geschmacke lösliche Kristalle. Seine Fonnel CäH; CsH.a >C< CO-NH CO—NH >CO hat durch das zentral gestellte Kohleustoffatom eine geAvisse Ähnlichkeit mit jener des Sulfonals resp. Trionals. Dosen von 0,5—1,0 bCAvirken in der Kegel Schlaf nach ungefähr einer halben Stunde, indes lange nicht so sicher und intensiA’’ wie t'hloralhydrat. Das Mittel ist mehr ein den Sedativa sich näherndes Hyp- noticum, das den Schlaf nicht erzAvingt, sondern nur Schlafbedürfnis herbeiführt. Die Fälle von einfacher nervöser und arteriosklerotischer Schlaflosigkeit bilden daher .sein HauptanAvendiingsgebiet. Eingenommener Kopf, Müdigkeit sind nicht selten Folgezustände. Auch scliAA-ercre Folgeerscheinungen, Conia, Kollaps, in seltenen Fällen mit tödlichem Ausgange sin<l heol)achtet AA'orden. Proponal, ein Veronal, das an Stelle der Äthylgruppen Propylgruppen enthält, Avirkt rascher und schon in halb so großen Dosen, 0,25—0,5. *tSulfonalum, Sulfonal, weiße, nicht tlUclitige und nahezu ge- sclinmcklose Kristalle in 500 1’eilen kaltem und 15 Teilen kochen- dem Ä\ asser und 65 Teilen Weingeist löslich.](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b28096137_0213.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)


