Lehrbuch der Arzneimittellehre und Arzneiverordnungslehre : unter besonderer Berücksichtigung der deutschen und österreichischen Pharmakopoe / von H. v. Tappeiner.
- Tappeiner, H. von (Hermann von), 1847-1927.
- Date:
- 1907
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Credit: Lehrbuch der Arzneimittellehre und Arzneiverordnungslehre : unter besonderer Berücksichtigung der deutschen und österreichischen Pharmakopoe / von H. v. Tappeiner. Source: Wellcome Collection.
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![Verarbeitung äußerer Eindrücke geknüpft ist, eine erleichterte Aus- lösung von motorischen Aktionen nach sich zieht (Kraepelin) Die Erfahrungen des täglichen Lebens stehen mit diesen Ergebnissen im Einklänge: Sorglose unbefangene, heitere Gemütsstimmung bilden die eine — erhöhte, durch keine inneren Hemmungen und äußere Rücksichten in Schranken gehaltene Lust zu Willensaktionen aller Art die andere Seite der AWrkung. Die ergographischeii und myographischen üntersuchungen haben nicht immer zu eindeutigen Flrgebnissen geführt, die meisten Unter- sucher stimmen aber dahin überein, daß keine Steigerung der Muskel- arbeit stattfindet, wenigstens nicht bei intensiven und länger dauernden Anforderungen. Auch die von einigen Armeeleitungen augestellten Massenversuche mit ganzen Truppenteilen und die Er- fahrungen der Sportsleute ergaben, daß die körperliche Leistungs- tahigkeit durch Alkoholrationen unter keinen Umständen eidiöht, sondern deutlich herabgesetzt wird. Die Arbeit erscheint nur leichter, weil das Gefühl für deren Scliwei’e vermindert ist. Die Anwendung des Alkohols als Genußmittel bei Gesunden wird demnach nach zweierlei Richtungen zulässig sein: 1. Um durch Beseitigung hemmender Einflüsse fübermäßiger Selbstkritik) gewisse Arten geistiger Produktivität zu erleichtern („Belebung der Phantasie“) oder zur Ausführung vorher wohlüber- legter Handlungen anzuregen („]\Iutantrinken“). 2. Um einen Zustand von Euphorie herbeizufuhren, der die Er- holung nach großen geistigen und körperlichen Anstrengungen be- günstigt und über Sorgen, drückende Lebenslage und andere depres- sive Zustände hinwegtäuscht („Sorgenbrechen“). b. Wirkung auf Kreislauf und Atmung. Die einzige primäre und konstant nachweisbare Wirkung in kleinsten Dosen ist die Erweiteru7ig der Oefäße des Gehirns und de>' äußeren Haut. Die hierdurch bedingte Blutdrucksenkung wird durch Tonuserhöhung in anderen Organen (Bauchplanchnicus) verhindert oder selbst über- kompensiert, sodaß eine geringe Blutdrucksteigerung die Folge ist. Eine weitere Folge der (Tefäßerweiterung ist das Vollerwerden des Pulses in diesen Gebieten, weil die vom Herzen hervorgerufenen Druckschwankungen an der erschlafften (Tefäßwand mehr zum Aus- druck gelangen. Eine direkte erregende Wirkung des Alkohols auf das Herz hat sich bisher nicht nachweisen lassen. Eine Folge der El Weiterung der Hautgetäße ist auch das vei'niehrte Wäi'rnegefiihl das besonders dann sehr wohltuend empfunden wird, wenn die Hautgefäße vorher durch Kälte zusammengezogen waren. Dies hat](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b28096137_0217.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)


