Lehrbuch der Arzneimittellehre und Arzneiverordnungslehre : unter besonderer Berücksichtigung der deutschen und österreichischen Pharmakopoe / von H. v. Tappeiner.
- Tappeiner, H. von (Hermann von), 1847-1927.
- Date:
- 1907
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Credit: Lehrbuch der Arzneimittellehre und Arzneiverordnungslehre : unter besonderer Berücksichtigung der deutschen und österreichischen Pharmakopoe / von H. v. Tappeiner. Source: Wellcome Collection.
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![den Alkoliol in den Ruf eines besonderen Wärinespenders gebracht. In Wirklichkeit verliert der Köri)er mehr Wärme, die Körper- temperatur sinkt lind kann im toxischen Stadium sehr niedrige Werte erreichen. Die Atmung wird gewöhnlich frequenter und tiefer, auch dann, wenn die nach AlkoholgenulJ lebhafteren Bewegungen ausgeschaltet sind. Ob es sich hierbei um eine direkte Erregung der Atmungs- zentren oder um eine durch Reflexe und andere Nebenumstände herbeigeführte handelt, ist unentschieden. Große Dosen. a. A k u te Ye rg i ft u ng. Zunächst zeigen sich die bekannten Erscheinungen der Irunkenheit, des Rausches: Y'ahrnehmungs- vermögen und Urteilskraft werden noch weiter herabgesetzt. Das Indivi- duum verliert die Übersicht über die Folgen seiner Handlungen und die Herrschaft über seinen Willen, es ist unzurechnungsiähig. Hierauf folgen Gedankenverwirriing, Unsicherheit in der Koordination der Bewegungen, sodann Schlaf und bei sehr großen Dosen durch Ver- tiefung lind Ausbreitung der Lähmung auf das Rückenmark schließ- lich völlige Bewußtlosigkeit und Reflexlosigkeit. — Das Stadium der Yolltrunkenheit ist erreicht. Die Wirkung auf Kreislauf und Atmung ist ähnlich der des Äthers. Die bei kleinen Dosen auf Hirn und Haut beschränkte Herabsetzung des Gefäßtonus ist jetzt in mäßigem Grade auf alle Organe ausgedehnt, sodaß das Blut wieder mehr in das Innere zu- rücktritt und die Haut hlaß und kühl wird. Gleichzeitig wird auch das Herz lähmend beeinflußt, sodaß der Puls klein und langsam wird. Am stärksten wird das Atmungszentrum ergriffen — die Atmung ist deshalb flach und langsam und ihre völlige Lähmung bildet die Hauptursache des tödlichen Ausganges schwerer Intoxi- kationen. Die letale Dosis kann nicht genau angegeben werden wegen der bekannten Gewöhnung an Alkohol, die bei diesem all verbreiteten Geniißmittel bei den meisten erwachsenen Personen mehr oder weniger ausgebildet ist. Bei Kindern unter 10 Jahren genügen schon 1 bis 3 Eßlöffel Branntwein, ungefähr 10—15 g absoluten Alko- hols entsprechend. Die Vergiftung geht hier häufig unter Krämpfen einher, die von ])iognostisch übler Bedeutung sind. b. Chronische. Vergiftung. Sie wird bekanntlich durch häufigen und übermäßigen Genuß alkoholischer Getränke insbesondere der konzentrierten Formen hervorgerufen und äußeit sich in](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b28096137_0218.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)


