Lehrbuch der Arzneimittellehre und Arzneiverordnungslehre : unter besonderer Berücksichtigung der deutschen und österreichischen Pharmakopoe / von H. v. Tappeiner.
- Tappeiner, H. von (Hermann von), 1847-1927.
- Date:
- 1907
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Credit: Lehrbuch der Arzneimittellehre und Arzneiverordnungslehre : unter besonderer Berücksichtigung der deutschen und österreichischen Pharmakopoe / von H. v. Tappeiner. Source: Wellcome Collection.
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![katarrlialisclier Eiitzüiidung des Kacliens, Magens und dei- lait'twege; in Erki-ankiingeii des Nervensystems (Tremor, Ataxie, multiple Neu- ritis), in Augenstörungen (Nachtblindheit, Verminderung des Seh- vermögens, Verengerung des Gesichtsfeldes als Folge der i-etro- bulbären Neuritis); in psychischen Erkrankungen (moi’alische Ver- kommenheit, Stum])fsinn, Paralyse) mit akuten Ausbrüchen (Delii-ium tremens); in entzündlichen Erscheinungen (Cirrhose) und fettiger Degeneration in zahlreichen Drüsen und Muskeln. Ausscheidung. Der Weingeist ist die einzige bekannte Substanz, welche schon im Magen rasch und vollständig aufgesaugt wird. Von der aufgenommeneii Menge verlassen nur etwa 50/0 den Orga- nismus unverändert durch die Lunge (Geruch des Atems) und den Harn, wobei eine gewisse Anregung der absondernden Tätigkeit der Niere (diuretische Wirkung) stattzuhaben scheint. Auch in Milch gehen höchstens Spuren über. Das übrige wird verbrannt und dadurch Fett und Eiweiß eingespart. Infolge der Fetteinsparung besitzen die mäßigen Alkoholiker, die Bier- und Weintrinker, welche den Alkohol nicht in starken, Magenkatarrh eizeugenden Konzentra- tionen aufnehmen, deren Verdauung deshalb im Gegensätze zu den Schnapstrinkern sich in gutem Zustande befindet, eine große Neigung zu Fettansatz. Die Eiweißsparung wird bei Personen, welche nicht an Alkohol gewöhnt sind, durch die toxische Stoft’wechselwirkung (vermehrte Eiweißzersetzung) kompensiert oder überkompensiert. Bei mäßiger Aufnahme, ca, GO g pro die, tritt jedoch rasch, schon nach ca. 5 Tagen „Gewöhnung“ ein und kommt dann die eiweiß- sparende Wirkung rein zum Vorschein. Der Alkohol ist mithin gleichzeitig ein Arzneimittel und ein Xahricngsstoff. In Anbetracht der schon im ]\Iagen rasch und reich- lich erfolgenden Kesorption und des gewiß auch nach Aufnahme in das Blut sehr leichten Eindringens in bedürftige Organe ist auch diese Eigenschaft nicht zu unterschätzen. Unter normalen Ver- hältnissen ist seine Verwendung als Nahrungsstoff allerdings un- nötig und zu teuer, anders hingegen in Krankheiten, z. B. in akuten 8chwächezuständen, wo konsistentere Nahrung zu spät käme, oder in chronischen, wo solche überhaupt nicht genügend verdaut und resorbiert werden kann. Der Alkohol nimmt in dieser Beziehung unter den Arzneimitteln eine ganz gesonderte und bedeutsame »Stellung ein. Sie ist neuerdings auf Grund von kalorimetrischen Untersuchungen auch von Harnack hervorgehoben worden. Anwendiinff. 1. Als Hautreizmittel zur Hervorrufung von aktiver Hyperaemie](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b28096137_0219.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)


