Lehrbuch der Arzneimittellehre und Arzneiverordnungslehre : unter besonderer Berücksichtigung der deutschen und österreichischen Pharmakopoe / von H. v. Tappeiner.
- Tappeiner, H. von (Hermann von), 1847-1927.
- Date:
- 1907
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Credit: Lehrbuch der Arzneimittellehre und Arzneiverordnungslehre : unter besonderer Berücksichtigung der deutschen und österreichischen Pharmakopoe / von H. v. Tappeiner. Source: Wellcome Collection.
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![dingungeil leicht verscliieden gestaltet oder völlig kompensiert sein können. lY. Anwendung; der Arzneimittel in Krankheiten. Ilationelle und empirische Pharmakotherapie. Die Richtungen, nach denen die Anwendung geschehen kann, nennt man Indikationen. Die erste ist die Indicaüo causalu. Sie ist erfüllt, Avenn es gelingt, die Krankheitsursache, z. B, den In- fektionsstotf oder ein Gift aus dem Organismus zu entfernen nach dem Satze „cessante causa cessat effectus“. Kann auf die Krankheitsursache nicht eingewirkt werden, oder kommt man zu spät, indem dieselbe bereits krankhafte Verände- rungen in gewissen Organen erzeugt hat, so sucht man diese zu beseitigen, man genügt dann der indicaüo morhi. Mittel, welche die Indicatio causalis oder morbi erfüllen, nennt man „Specihca“ Gelingt es auch nicht, die krankhaften Veränderungen zu be- seitigen, so bleibt noch als drittes die Indicaüo symptomaüca, das ist die Bekämpfung der Folgen dieser Veränderungen, besonders der nach außen sich geltend machenden, der Symptome. Durch die „Symptomatica“ sucht man besonders quälende oder die Kräfte auf- ]-eibende Symptome zu beseitigen, um die Kranken unter günstige Bedingungen zu versetzen und so indii-ekt die Genesung zu fordern oder, wenn diese nicht erreichbar, den Exitus letalis zu einem möglichst milden zu gestalten. Nicht jedes Symptom aber darf urteilslos bekämpft werden. Manche von ihnen haben die Bedeutung von Schutz- und Abwehrmaßregeln für den Organismus. Ein Husten ist oft notwendig zur Expektoration des Bronchialsekretes und darf durch Moiphin bei Gefahr der Erstickung nicht unterdrückt werden. Ein Durchfall begünstigt die Entfernung schädlicher Ingesta und soll daher eher befördert als gehemmt Averden. Die Behandlung der Krankheiten mit AusAvahl der Arzneimittel nach Avissenschaftlichen Grundsätzen und mit Einblick in die dabei sich abspielenden Vorgänge nennt man rationelle Pharmakotherapie. Das gegenwärtig ihr zugängliche Gebiet ist hauptsächlich die sym- ptomatische Behandlung. So Ersprießliches aber auch hiermit ge- leistet werden kann, den Kern der ärztlichen Kunst umschließt sie nicht, denn diese besteht nicht bloß im Lindern und Schonen, sondern im Heilen. Eine Heilung im strengen Sinne des Wortes aber ist nur möglich durch Beseitigung der Krankheitsursache und aller durch sie erzeugten Veränderungen, also durch Erfüllung der Indi-](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b28096137_0025.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)


