Lehrbuch der Arzneimittellehre und Arzneiverordnungslehre : unter besonderer Berücksichtigung der deutschen und österreichischen Pharmakopoe / von H. v. Tappeiner.
- Tappeiner, H. von (Hermann von), 1847-1927.
- Date:
- 1907
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Credit: Lehrbuch der Arzneimittellehre und Arzneiverordnungslehre : unter besonderer Berücksichtigung der deutschen und österreichischen Pharmakopoe / von H. v. Tappeiner. Source: Wellcome Collection.
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![Kuiist'h). yi etwas ’W'asser liinabscliluckeii. was den meisten Personen, abgesehen von kleineren Kindern, keine besonderen Schwierigkeiten macht. A. Kaspelm welche schon im Magen gelöst werden, vei’wendet man zur Einschließung schlecht schmeckender Arzneimittel. 1. Capsulae amylaceae, Oblatenkapseln, für feste, pulverisierbare Arzneimittel. Sie wurden bereits bei den Pulvern abgehandelt. 2. Capsulae gelatinosae, Leimkapseln, für iiüssige Arzneimittel, wie Äther, Terpentinöl, Copaivabalsam, Eiziimsöl, Extractum Eilicis. Es sind Hohlformen, Avelche aus verflüssigter Gelatine gegossen werden und bereits gefüllt in zwei verschiedenen Arten in den Handel kommen; Kunde, harte Kapseln, auch Perlen genannt, von 0,05—0,5, und ovale, durch Zusatz von Glyzerin elastisch gemachte von 1,0—10.0 Inhalt. Letztere sind gemeinhin leichter zu nehmen und lösen sich auch rascher im ]\Iagen als erstere. ß. Kapseln, welche nicht vom Magensafte, sondern erst vom Bauchspeichel gelöst werden, so daß das i\Iedikament erst im Dünn- darm in F’reiheit gelangt, werden gebraucht, um den Magen zu schonen oder die Wirkung auf den Darm zu konzentrieren. 3. Capsulae keratinosae, Hornkapseln, werden durch V'erdunstung einer Lösung von Hornstoff (Keratin) in Essig.säure oder Ammoniak hergestellt. Sie sind leichter anzufertigen als die ursprünglich in Vorschlag gebrachten, durch Überziehen mit Hornstofflösung er- haltenen Pilulae keratinosae. 4. Capsulae glutoidae, Glutoidkapseln nach Sahli sind Leim- kapseln, welche durch Einwirkung von Formaldehyd gegen den Magensaft resistent gemacht worden sind, so daß sie erst vom Bauch- speichel gelöst werden. Sie .sind zuverlässiger als die Capsulae oder Pilulae keratinosae. Je nach der Dauer der Einwirkung kann man Kapseln verschieden großer Resistenz erhalten. Kapseln schwacher Härtung wählt man, wenn man nur haben will, daß das Mittel den Magen ungelöst passiert, Kapseln stärkerer Härtung, wenn das l\littel vor der Tjösung tiefer in den Darm geführt werden soll. Mit leicht in Speichel oder Harn nachweisbaren Stoffen (Jodoform) gefüllt, können sie auch zu klinisch-diagnostischen Zwecken, z. B. zur Prüfung der Pankreasfunktion verwendet werden. Bei der Verordnung von Leim-, Horn- und Glutoidkapseln ist zu berücksichtigen, daß sie nur fabrikmäßig, in gefülltem Zustande hergestellt werden und in den Handel kommen. j\Ian muß sich also an die beim Apotheker vorrätigen gangbaren Sorten halten. Kennt man den Gehalt der Kapseln, so verschreibt man nach I., andern- falls nach II.](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b28096137_0043.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)


