Lehrbuch der Arzneimittellehre und Arzneiverordnungslehre : unter besonderer Berücksichtigung der deutschen und österreichischen Pharmakopoe / von H. v. Tappeiner.
- Tappeiner, H. von (Hermann von), 1847-1927.
- Date:
- 1907
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Credit: Lehrbuch der Arzneimittellehre und Arzneiverordnungslehre : unter besonderer Berücksichtigung der deutschen und österreichischen Pharmakopoe / von H. v. Tappeiner. Source: Wellcome Collection.
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![und entziindungerregend, daher manche von ihnen auch als Gewürze, Abführmittel oder gastroenteritische Gifte eine Rolle spielen. Die Anwendung der Hautreizmittel ist uralt und steht' auch heute noch mit Recht in hohem Ansehen. Außer auf die Haut selbst, auf deren.Ernährung und Funktionen, sucht man mit ihnen auch auf entfernte Organe einzuwirkeii. Die Annahme eines Ein- flusses auf innere Organe ist insofei-n berechtigt, als die Haut durch das Gefäßsystem und zahlreiche sensible Nerven- und Reflexbahneu mit denselben in Verbindung steht. Die Erklärung aber ist schwierig- und mit den heutigen physiologischen Kenntnissen nicht völlig zu geben. Nach alter Anschauung können durch diese Mittel schlechte Säfte und stockendes Blut aus inneren Organen abgeleitet werden. Man nannte sie daher Derivantia, ahleitende Mittel. Trilft ein Hautreiz den ganzen Körper, so füllt sich die Haut mit so viel Blut, daß eine Anämie der inneren Organe ent- steht. Zweifelsohne können dadurch Kongestionen und Entzündungs- zustände mnerer Organe, bei wiederholte]- Anwendung (Bäder) wohl auch Ernährungsstörungen (Exsudatiouen, Neubildungen), chronische Vergiftungen und konstitutionelle Krankheiten beeinflußt werden. Die Wirkung von Hautreizen geringen Umfanges hin- gegen, wie sie für neuralgische und rheumatische Zustände, chronische Entzündungen und Entzündungsresiduen durch hautrötende Ein- reibungen, Jodpinselungen, Alkoholverbände, Vesikatore und Fonta- nellen, auf benachbarte und darüberliegende Hautstellen geübt und des öfteren auch bewährt befunden wird, auf eine solche Umschaltung < des Blutsti-oms zurückführen zu wollen, wäre nur dann vielleicht \ zulässig, wenn beide Orte einem und demselben kleinen Gefäßge- j biete angehörten. In der IMehrzahl der Fälle aber sind die zu- ; führenden Arterien verschieden und wird daher die für die hyperämi- | siei-te, gereizte Hautstelle nötige kleine Blutmenge dem ganzen Körper entnommen, so daß der auf das erkrankte Gebiet treffende j Anteil verschwindend und dai-um ohne Bedeutung ist. Tatsächlich | scheint es sich bei diesen partiellen Hautreizen gar nicht um eine Anämie der darunter liegenden Gewebe und Oi-gane, sondern uin- gekehi-t um eine Hyperämie, verursacht diii-ch eine Art von Fort- pflanzung der entzündlichen Reizung durch reflektorische Vorgänge zu handeln (Bier). Neben diesen Gefäßwirkungen haben allgemeine Hautreize (Bäder, Einreibungen, Waschungen) und partielle (Senfteig) ver- mittelst der Nei-venbahneii auch einen Einfluß auf das Gehirn und](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b28096137_0076.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)


