Lehrbuch der Arzneimittellehre und Arzneiverordnungslehre : unter besonderer Berücksichtigung der deutschen und österreichischen Pharmakopoe / von H. v. Tappeiner.
- Tappeiner, H. von (Hermann von), 1847-1927.
- Date:
- 1907
Licence: In copyright
Credit: Lehrbuch der Arzneimittellehre und Arzneiverordnungslehre : unter besonderer Berücksichtigung der deutschen und österreichischen Pharmakopoe / von H. v. Tappeiner. Source: Wellcome Collection.
77/394 page 65
![die Zentren für Atmung, Gefäße und Herz, wovon man zur Rüch- fiihrung des Bewußtseins, Beforderuny der Atmunys- und Kreis- laufstütigkeit hei Ohnmächten und Kollaps häufig Gebrauch maclit. Beim Volke stehen reizende Fußbäder behufs Beförderung der Menstruation und Hervorrufung von Uteruskontraktionen (analog der Reizung der Brustwarzen) in Ansehen. Ihngekehrt sollen kalte Fußbäder menstruationshemmend, resp. verzögernd wirken. ]\lan wird daher auch reflektorische Beziehungen nach diesen Rich- tungen anzunehmen haben. Wie weit auch Wärmeregulierung und Stoffwechsel durch Hautreize reflektorisch beeinflußt werden können, eine für die Balneologie sehr wichtige Frage, harrt noch der abschließenden Untersuchung. a) Halogenef Säuren und Alkalien. In der (Truppe der Halogene, Chlor, Brom, Jod, ist nur das letztere mildeste, brauchbar. Pinselungen mit Jodtinktur, Ttnctura Jodi, einer l.ösung von l Jod in *10 oder fl5 Weingeist, sind sehr ge- eignet. um R(mt- oder Schleimhautstellen beschränkten Vmfanys in , eine^i anhalte^iden, einer oberflächlichen Entzünduny nahekommen- den Reizzustand zu versetzen. Nach der Verdunstung des Alkohols hinterbleibt ein brauner Fleck und die Epidermis schält sich nach einigen Tagen in braunen Lamellen ab. Durch Wiederholung der Pinselung kann die Reizung nach Belieben verstärkt und verlängert werden. Für Schleimhäute ist eine Verdünnung der Tinktur mit 1—2 Alkohol geeigneter, weil milder. Unter den Säuren sind die IMineralsäuren zu stark mit Ausnahme der Kohlensäure, welche allein oder in Verbindung mit Salzen das Wirksame vieler Bäder bildet. Die Blutzirkulation, insbesondere die periphere wird befördei-t. Die Oberflächentemperatur wird meßbar erhöht, die zentrale Tempei-atur erniedrigt. Das Kohlensäurebad wirkt wie ein mit Frottierung kombiniertes kühles Süß wasserbad. Auch die Tastempflndlichkeit wird gesteigert. Die günstige Wirkung kohlensäurehaltiger Kochsalzwässer iNauheim u. a.) bei Herzkranken („Vermehrung des SchlagAmlums“) wird neuerdings besonders hei’- vorgehoben. Von organischen flüchtigen Säuren sind am meisten gebraucht die Essigsäure, welche in 4—G prozentiger Verdünnung als Essig in jedem Hause zu haben ist. Übergießungen und Waschungen rein oder mit gleicher Menge Wasser verdünnt, sind .sehr brauchbar, um einen allyemeinen, nicht zu nachhaltigen Hautreiz bei Schwäche- V. Tapp ei ne r, Arzneimittellehre. 6. Auflage.](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b28096137_0077.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)


