Lehrbuch der Arzneimittellehre und Arzneiverordnungslehre : unter besonderer Berücksichtigung der deutschen und österreichischen Pharmakopoe / von H. v. Tappeiner.
- Tappeiner, H. von (Hermann von), 1847-1927.
- Date:
- 1907
Licence: In copyright
Credit: Lehrbuch der Arzneimittellehre und Arzneiverordnungslehre : unter besonderer Berücksichtigung der deutschen und österreichischen Pharmakopoe / von H. v. Tappeiner. Source: Wellcome Collection.
96/394 page 84
![itm SO länger an, indem das Blei infolge seiner geringen Löslichkeit auch in alkalischen eiweißhaltigen Flüssigkeiten nur langsam resoi-biert, noch langsamer aber durch Mundhöhle, Darm und'Niere wieder ausgeschieden Avird. ATcufe Vergiftung unter Stomatitis, Enteritis, Nephritis, also dem gewöhnlichen Bilde resorptiver Metallvergiftung veidaufend ist daher sehr selten und nur in wenigen Fällen von sehr ausgedehnter Anwendung a^ou Bleipräj)araten auf mazerirte Hautflächeii beobachtet Avorden. Um so häutiger ist die chro'uische Vergiftung, indem das Blei selbst in seinen Avasser- unlöslichen Formen (metallisches Blei und ScliAvefelblei) unter Mit- wirkung des Sauerstottes aufgenommen Avird und die Gelegenheit hierzu bei der weiten Verbreitung und dei' vielfachen Benutzung des Bleies in Gew^erben und im Hause (Lettern, Bleifarben, (Hasuren, Schminken, Haarfärbemittel usav.) häutig gegeben ist. Die Avich- tigsten Pirscheinungen der chronischen BleiA^ergiftung bilden der diagnostisch AA^ertvolle Bleisaum, blaugraue Verfärbung infolge Um- Avandlung des in der Ausscheidung begriffenen Bleis in ScliAvefelblei durch den aus der IMundhöhle in die Schleimhaut diffundierenden ScliAvefehvasserstoff, die Bleihachexie mit Schrumpfniere und die spezifischen Bleikrankheiten: die Colica saturnina, die Arthralgia saturnina, die geAVöhnlich auf das Radialisgebiet lokalisierte Blei- lähmung und die in epileptiformen Anfällen und anderen nervösen Pirscheinungen sich äußernde Encephalopathia saturnina. Von Augenerkrankungen sind beachtensAvert die nicht selten zur Er- blindung führende Neuritis optici und die chr onische Ophthal- moplegie. Die lileikolik läßt sich auch experimentell au Tieren durch Injektion von Bleitriäthyl, das im Organismus alsbald in eine ionisierbare A'erbinduuit nmgewandelt wird, hervorrufen und liierbei nachweisen, daß sie im wesentlichen in einem Krampf der Darmmuskulatnr infolge Erreftuu ihrer ner- vösen Elemente beruht, welche durch Atropin undO])ium beseitigt werden kann. Sie tritt hier schon nach Aveuigen Stunden auf, ist also eine akute Blei- AV'irkung, Avelche am Menschen nur deshalb chronischen Charakter annimmt, Mcil das Blei in den gewöhnlichen Aufnahmsformen Zeit braucht, sich bis zur nötigen Dosis anznhäufen. In gleicher AVeise lassen sich bei einzelnen Tierarten auch allgemeine Muskellähmuug und Chorea-artige Geliirnerscheinungen hervorrufen (Harnack). A'H'wejiVtfUifKj findet das Blei fast ausschließlich als Adsfringe^is der Haut, nachdem der innerliche Gebrauch A-on Bleiacetat gegen Diarrhöen und Blutungen obsolet geAvorden. Hier leistet es in P^orin Amn Lösungen, Salben oder I’flastern appliziert a orzügliches, bei Exkoriationm, nässenden J^kzernen, Verbrennungen, JJecuntntus,](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b28096137_0096.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)


