Diätetik im alterthum : Eine historische Studie / von Julian Marcuse ... Mit einem vorwort von Dr. E.V. Leyden.
- Julian Marcuse
- Date:
- 1899
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Credit: Diätetik im alterthum : Eine historische Studie / von Julian Marcuse ... Mit einem vorwort von Dr. E.V. Leyden. Source: Wellcome Collection.
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![alle nur erdenkbaren Exercitien des Körpers umfassten. Die in der Turnschule und durch Strapazen Geübten sind nach Lucian „bei roten Wangen von der Sonne gebräunt, mann¬ haften Ansehens und zeigen eine Fülle männlicher Lebens¬ wärme; sie erfreuen sich der besten Gesundheit, sind weder steif noch dürr, noch lästig dick, sondern ebenmässig gebaut“. Wir finden aber auch bei den Römern die Benützung von Luft und Sonne als allgemein herrschende diätetische Volks¬ gewohnheit. Der Begriff — sich sonnen — war ihnen wohl bekannt und in den Briefen des jüngeren Plinius finden wir verschiedene Stellen, die darauf hinweisen; so erzählt er von Vestricius Spurinna, lib. III, Epist. I: „Sobald die Zeit zum Baden gemeldet war, ging er nackt in der Sonne spa¬ zieren, wenn es windstill war; dann spielte er lebhaft und lange Ball.“ Von seinem Onkel, dem Verfasser der Natur¬ geschichte, berichtet er III, 5: „Nach dem Essen lag er im Sommer oft in der Sonne, las ein Buch und machte sich Notizen. Nach dem Sonnenbad wusch er sich mit kaltem Wasser, nahm eine Kleinigkeit zu sich und schlief dann längere Zeit.“ Auch bei Cicero, Orat. II, 14, finden wir ambulare in sole; das Wort sol wurde daher auch überhaupt für einen Ort, wo die Sonne hinscheint, gebraucht. Der Ort, wo die Alten sich vorzüglich sonnten, war in den älteren Zeiten das Dach der Häuser, welches bekanntlich bei den Privathäusern im Orient, Griechenland und Rom meistens flach war. Und späterhin war es ein besonderer Anbau an den Häusern, welcher vorzüglich zur Heliosis bei den Römern benutzt ward und Solarium hiess. Er entsprach ungefähr unseren Erkern oder Balkons; gewöhnlich lag man ange¬ kleidet auf den Solarien entweder unmittelbar auf dem Boden oder auch auf Polstern, wie Terentius erwähnt. Doch be¬ nutzte man auch nackt die Sonnenwärme, und dies war die eigentliche Heliosis, das trockene Sonnenbad, was Plato r]Xiov xafiapov und Cicero sowie Plinius solem assum nennen zum Unterschied von sol unctus, wo man gesalbt sich den Strahlen der Sonne aussetzte.](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b30595952_0023.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)