Die experimentelle Bakteriologie und die Infektionskrankheiten : mit besonderer Berücksichtigung der Immunitätslehre ; ein Lehrbuch für Studierende, Ärzte und Medizinalbeamte / von W. Kolle und H. Hetsch.
- Kolle, W. (Wilhelm), 1868-1935.
- Date:
- 1906
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Credit: Die experimentelle Bakteriologie und die Infektionskrankheiten : mit besonderer Berücksichtigung der Immunitätslehre ; ein Lehrbuch für Studierende, Ärzte und Medizinalbeamte / von W. Kolle und H. Hetsch. Source: Wellcome Collection.
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![und kann sich ans dieser die für die Gesamtmeng-e des Nährbodens erforderliehen Mengen berechnen. Nachher wird abermals eine Probe von 5 ccm des neutralisierten Nährbodens entnommen und nochmals in der angegebenen Weise geprüft, um festzustellen, ob eine weitere Korrektion nötig ist. Vom Phenolphthalein-Neutralpunkt aus läßt sich durch Hinzufügen bestimmter Alkali- oder Säuremengen (etwa 15% oder 25°/o) jede gewünschte Reaktion genau einstellen. Phenolphthalein- und Lackmus-Neutralpunkt liegen weit auseinander. Nährböden, welche gegenüber Phenolphthalein eben neutral sind, erweisen sich bei der Prüfung mit Lackmuspapier als stark alkalisch. Herstellung der gewöhnlichen Nährbouillon. Man über- Nähr- gießt 1/2 % fein gehacktes oder geschabtes fettfreies Rindfleisch in einem *°'''- Glaskolben mit 11 Wasser und kocht die Mischung 11/2 Stunden im Dampftopf oder läßt sie 24 Stunden im Eisschrank stehen. Nachher wird die Brühe vom Fleisch durch ein angefeuchtetes Faltenfilter in einen anderen Kolben abfiltriert, wobei die Fleischmassen gut auszudrücken sind. Das auf diese Weise gewonnene Feischwasser bildet die Grund- lage der Nährbouillon, des Agars und der Gelatine. Zur Bereitung der Nährbouillon werden dem Fleischwaßser zuge- fügt 10 g Pepton (die empfehlenswertesten Präparate sind Peptonum siccum Witte [Rostock] und Pepton Chapoteaut [Paris]) und bg Koch- salz. Es wird abermals im Dampftopf etwa V/2 Stunden gekocht und Aviederum filtriert. Die Bouillon muß nunmehr völlig klar sein. Alsdann wird die Reaktion geprüft und durch Zusatz entsprechender Mengen von lO^/oiger Sodalösung die Neutralisierung vorgenommen. Letztere ist erreicht, wenn blaues Lackmuspapier nicht mehr gerötet, rotes Lackmuspapier aber eben schwach blau gefärbt wird. Nach abermaligem Kochen (Y2 Stunde) und Filtrieren wird die Reaktion nochmals geprüft und nötigenfalls korrigiert. Nun kann die Bouillon in Röhrchen bzw. Kölbchen, die vorher mit Watte- bausch versehen und V2 Stunde bei 160° im Trockenschrank sterilisiert waren, abgefüllt werden. Es schließt sich hieran die sogenannte fraktio- nierte Sterilisierung des fertigen Nährbodens, d. h. es wird an 3 aufein- anderfolgenden Tagen nochmals je Y2 Stunde im Dampfstrom gekocht. Der Nähragar wird derart hergestellt, daß man zu fertiger mnragar. Bouillon auf 11 20—25^ zerkleinerten Stangen-Agar-Agar zufügt und das Gemisch 3—5 Stunden im Dampftopf kocht. Alsdaitii wird durch Zusatz entsprechender Mengen von Sodalösung die gewünschte Reaktion hergestellt (neutral, schwach alkalisch, stark alkalisch). Um eine Klärung des Agars zu bewirken, fügt man zu dem auf 40—50° C abgekühlten Nährboden das Weiße eines Hühnereies oder 15^ Eiweißpulver, das vorher in geringen Mengen warmen Wassers angerührt war , schüttelt gut durch, kocht ^/.j Stunde im Dampftopf und filtriert. Die Filtration geschieht, da der xA.gar leicht erstarrt, am zweckmäßigsten in einem „Heißwassertrichter oder im Dampftopf; in letzterem Falle ist der Trichter sorgfältig mit Fließpapier zu überdecken, damit kein Kondens- wasser in den Agar fließt. Wenn die Reaktion des Nährbodens bei aber- maliger Prüfung richtig befunden wird, kann derselbe abgefüllt und ebenso wie die Nährbouillon der fraktionierten Sterilisation unterworfen werden. Die Herstellung der Nährgelatine geschieht in analoger Weise Gelatine. wie diejenige des Agars, nur daß hier an Stelle des Agars zu dem Kolle und Hetsoh, Bakteriologie. 36](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b21172547_0583.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)