Die experimentelle Bakteriologie und die Infektionskrankheiten : mit besonderer Berücksichtigung der Immunitätslehre ; ein Lehrbuch für Studierende, Ärzte und Medizinalbeamte / von W. Kolle und H. Hetsch.
- Kolle, W. (Wilhelm), 1868-1935.
- Date:
- 1906
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Credit: Die experimentelle Bakteriologie und die Infektionskrankheiten : mit besonderer Berücksichtigung der Immunitätslehre ; ein Lehrbuch für Studierende, Ärzte und Medizinalbeamte / von W. Kolle und H. Hetsch. Source: Wellcome Collection.
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![Ernährungs- Die pathogenGii Mikroorganismen und deren Gifte halben auch inffsSi-nachteilige Wirkungen auf die Ernährungsvorgänge in den einzelnen ^Nrv'n'^ Organen, sie können hier parenchymatöse und wohl auch amyloide sysuZ'. Degeneration bedingen. Ferner sind hier die mannigfachen Störungen im Gebiete des Nervensystems zu erwähnen, die im Gefolge bestimmter In- fektionen auftreten. Nicht nur bei jenen infektiösen Erkrankungen, bei denen das Virus eine besondere Affinität zum Nervensystem hat (Tetanus, Lyssa usw.), sondern bei allen Infektionskrankheiten können schwere Affektionen des Gehirns, des Rückenmarks und auch der peripheren Nerven auftreten, die als Giftwirkungen zu deuten sind. Über das nähere Wesen dieser Affektionen sind wir noch nicht genauer orientiert, da prägnante anatomisch nachweisbare Veränderungen nur sehr selten und inkonstant gefunden werden. Auch funktionelle Störungen des ner- vösen Apparates entstehen in den mannigfaltigsten Formen. spezifizität Wir hatten im Beginne dieses Kapitels die Bedingungen kennen fMionen gelcmt, dlc erfüllt sein müssen, wenn ein Mikroorganismus für den und deren Meuschcu odcr für das Tier infektiös wirken soll, und müssen nunmehr Erreger. ' auf die Frage eingehen, wie weit die Wirkungen der einzelnen Krank- heitserreger als spezitische gelten müssen und welche Beweise wir für ihre Spezifizität besitzen. Auf die historische Entwicklung der Spezifizitäts- lehre der ansteckenden Krankheiten, die bis in die ältesten Zeiten in ihren Anfängen zu verfolgen ist und durch die fortschreitende Erkenntnis und die daraus folgenden Änderungen der Anschauungen eines der interessantesten Kapitel der Geschichte der Medizin bildet, kann hier nicht näher eingegangen werden. Als der eigentliche wissenschaftliche Begründer der Lehre von dem wohlcharakterisierten konstanten Verhalten der pathogenen Mikro- organismen muß RohezLJ^och gelten, der uns zuerst die exakten Methoden aji die if^intV^^PI^jiach denen wir Bakterien aus jedem beliebigen Material isolieren um^reinzüchten und nach denen wir ihre Lebensbedingungen und LeI^^Mjißerungen im Reagenzglase und im Tii^örper näher st«^iren Ac^Ären, Mit diesen Methoden ist es ge- inten, einj^g^'ie Anzahl /^^n Spaltpilzen scharf voneinander zu tr^pn^n, i^6hiit ihnen konnten auch die mannigfachen Angriffe, die ge^0lr die x4rtversc]iiedeiilieit und Konstanz der pathogenen Keime immei' wietler iiiiternommen word&n'sind, zurückgewiesen werden. Es wurde eii.ie ganze Reihe von wohlcharakterisierten Krankheitserre- gern festgestellt, die sich auch nach vielfacher Umzüchtung auf künstlichen Nährmedien in ihren morphologischen und biologischen Eigenschaften, in ihrem färberischen Verhalten immer gleich blieben und die auch im Tierversuch stets dasselbe konstante Verhalten auf- wiesen. Lange Zeit sind gegen das Gesetz der strengen Spezifizität der Krankheitserreger erbitterte Kämpfe geführt worden, die auch in den Ergebnissen falscher Experimente anscheinend eine Stütze fanden. Namentlich war es Nägeli, der eine unbegrenzte VariabiKtät der Bakterien verfocht und behauptete, daß ein und derselbe Mikroorganismus im Verlaufe der Generationen morphologisch und biologisch verschiedene Formen annehmen und je nach den äußeren Bedingungen bald harmlos sein, dann aber unter gewissen, noch unbekannten Bedingungen bald Typhus, bald Cholera usw. erzeugen könne. Es sollte experimentell be- wiesen sein, daß der in der Natur Aveit verbreitete und völlig harmlose](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b21172547_0066.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)