Die Heilpflanzen der verschiedenen Völker und Zeiten : ihre Anwendung, wesentlichen Bestandteile und Geschichte ein Handbuch für Ärzte, Apotheker, Botaniker und Droguisten / von Dr. med. et phil. Georg Dragendorff.
- Johann Georg Noël Dragendorff
- Date:
- 1898
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Credit: Die Heilpflanzen der verschiedenen Völker und Zeiten : ihre Anwendung, wesentlichen Bestandteile und Geschichte ein Handbuch für Ärzte, Apotheker, Botaniker und Droguisten / von Dr. med. et phil. Georg Dragendorff. Source: Wellcome Collection.
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![stehende giftige Neurin entstehen. Es mag endlich bemerkt werden, dass manche Pilze, die für essbar gelten, bei Subcutananwendung ihres Saftes Thieren todbringend sein können (Bolet. edulis, Amanita caesarea, vaginata, rubescens, Agaricus cam- pestris etc. Dupetit, C. r. 95. 26. 1367). Ziemlicli allgemein werden als giftige Agaricus-Arten angesehen: Agaricus fascicularis Huds., Schwefelkopf, Agaricus verzins Bull. (Anianita verna Lam.), Agaricus rubescens Fr., Perlschwamm — Lothringen, Agaricus fastihilis Fr., Etzelschwamm, Agaricus olearius D. C. Dieser Pilz, sowie Agaricus Gardneri Berkl. — Brasilien (Flor de Coco) — und Agaricus noctilucens Lev. — Manilla — zeigen starke Phosphorescenz, die auch bei Agaricus melleus Vahl, Xjlaria hypoxylon, Collybia tuberosa und Collybia cirrhata beobachtet wird. Gleichfalls giftig sind Agaricus volvaceus Bull., Lohpilz, Agaricus rimosus Bull. (A. aurivenius Bätsch, A. morosus Jungh.), Agaricus sublateritius Schaeff'., Agaricus sulfureus Bull., Agaricus asper Fr. (Amanita aspera Pers.). Mit die giftigsten Arten, welche jetzt genannt werden sollen, sind von Einigen einer besonderen Gattung Amanita zugewiesen. Agaricus muscarius Pers., nebst den Formen regalis, formosa und umbrina, Fliegenpilz. Gegen Epilepsie, Fieber, äusserlich gegen Fistel- geschwüre gebraucht. Enth. nach Schmiedeberg und Koppe neben Cholin (Amanitin) das stark giftige Muscarin („Das Muscarin“, Leipzig 1869), ferner ein beim Trocknen meist verloren gehendes Gift, das „Fliegenschwamm-Atropin“. Diesem, vielleicht auch einem bisher nicht näher untersuchten Alkaloid schreibt Kobert die berauschenden Wirkungen des in Nord-Sibirien, Kamschatka etc. gewachsenen Fliegenpilzes zu. Vergl. ferner Har- nack, A. f. exp. P. 1875, 4. 168; Schmidt und Nothnagel, Arch. d. Ph. 1894, 232. 261. Boudier, Die Pilze, deutsch von Husemann 65; Kobert, S.-B. d. Dorp. Nat. Ges. 1891, 535 und Intoxicationen 688. lieber den hohen Gehalt des Fl. an Trehalose s. Müntz, J. de Ph. et de Ch. 1873, 18. 12; über den rothen Farbstoff s. Griffiths, C. r. 1896, 122, Nr. 23. Agaricus phalloides Fr. (Ag. viridis Pers., Amanita phalloid. Phoeb., Am. virescens Fl. D.), nebst der Subsp. vernus und Agaricus Mappa Fr. (Ag. bulbosus Bull., Aman, virosa Gönn, et Rabh., Am. venenosa Pers.) sind gleichfalls sehr giftig. (Studer jun., Schw. W. 1885, 351; Mitth, d. N. G. in Bern 1884, 77; Sahli ib. 82; Schürer ib. 107; Böhm a. a. 0.; Letellier et Speneux, Ann. d’Hyg. p. 1867, 71 [Literatur bei Sahli]; Boudier, Pilze; Ore, Bull, de l’Ac. de Med. 1877, 358 und 877.) A. phalloides enthält das Blutgift Phallin (Kobert, Intox. 457), A. Mappa vielleicht Muscarin (Lewin). Agaricus pantherinus Fr. (Aman. p. D. C., Agar, pustulatus Scop. Aman, umbrina Pers.) — Europa, Asien — Krötenschwamm. Wird in Japan wie Fliegenpilz (auch als Fliegengift) benutzt. Enth. nach Inoko Muscarin und Cholin, Ph. J. a. Tr. 1891, 1071. Eine Amanita-kri wird in Westafrica (Rio Nunez), unter dem Namen Faune oder Faune medicinisch verwendet (Jahrb. f. Ph. 1876. 40). Agaricus recutitus Fr. (Aman, recutita Fr.) und Agaricus parpliyrius Fr. (Aman, porph. Alb. et Schw.) sind gleich- falls wahrscheinlich muscarinhaltig. Auch die Lactarius-Arten wurden früher zur Agaricus-Gattung ge- zählt, später aber wegen des in ihnen vorhandenen sog. Milchsaftes abge- trennt. Ueber diesen s. Boudier a. a. 0. p. 77.](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b28996203_0051.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)


