Handbuch der Zoologie / von Jul. Victor Carus und C.E.A. Gerstaecker.
- Date:
- 1863-1875
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Credit: Handbuch der Zoologie / von Jul. Victor Carus und C.E.A. Gerstaecker. Source: Wellcome Collection.
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![dingt bei den Arthropoden ganz allgemein ein mehrmaliges Abwerfen ihrer Körperbedeckung (H ä u t un g), in welches sämmtliche Theile des Ghitinskeletes, also auch die Gliedmaassen mit inbegriffen sind. Die Formveränderungen, welche bei diesen Häutungen implicirt sind, geben sich bald als sehr gering- fügige und allmählige, bald als sehr in die Augen fallende kund, daher man sie im ersteren Falle unter dem Namen der »einfachen Häutung« gleichsam verschwiegen, im zweiten als »Metamorphose« hervorgehoben hat. Da Veränderungen bei jeder Häutung vorgehen, ist eine scharfe Grenze zwischen Gliederthieren mit und ohne Metamorphose begreiflicher Weise nicht zu ziehen und man kann den Begriff dieses Vorganges annähernd nur dahin fixiren, dass man darunter das Auftreten neuer, die ganze Körperform wesentlich verän- dernder Theile versteht. Im Ganzen und Grossen ist es hauptsächlich die ein- tretende Geschlechtsreife, welche die wesentlichsten Umgestaltungen in der äusseren Form eines Gliederthieres hervorbringt, gleichviel ob die dabei statt- findende Metamorphose, wie bei der grossen Mehrzahl der Formen , eine fort- schreitende, oder wie bei den Coccinen, Lernäen, Cirripedien u. a. eine rück- schreitende, d. h. eine solche ist, bei welcher der Arthropodentypus im Alter weniger scharf ausgeprägt ist als in den Jugendstadien. Indessen fehlt es auch nicht an zahlreichen Beispielen, dass die geschlechtlich noch unentwickelten Formen, w^elche man gewöhnlich als Larven [Larvae] bezeichnet, eine ganze Reihe sehr auffallender Metamorphosen durchmachen , welche wie bei vielen Crustaceen unter einander viel abweichender sind als dies zwischen der letzten Larvenform und dem geschlechtsreifen Individuum der Fall ist. — Eine Sisti- rung des Wachsthums sowohl als der periodischen Häutungen nach dem Ein- tritt der Geschlechtsreife hat nur in der Classe der Insecten Statt, während bei den übrigen drei Classen dieselben auf unbestimmte Zeit fortgesetzt wer- den, ohne indess fernere Formveränderungen zur Folge zu haben. Die gegenwärtig den Typus der Gliederthiere [Arthropoda ^ Arthrozoa seu Articidata) repräsentirenden vier Classen der: Insecten (Insacta seu Hexa- foda), Tausendfüssler [Myriopoda], Spinnen [Arachnoidea] und Krebs- oder Krustenthiere [Crustacea] wurden von LiNxfi in seinem Systemanaturae zu einer einzigen Thierclasse unter dem Namen Insecta vereinigt, in analoger Weise wie sie schon Aristoteles als s)Entomaa zusammenfassle. Sowohl die wesentlichen Unterschiede im Gesammtbau des Körpers als die anatomischen Eigenthümlichkeiten, welche die drei letzten Classen von den eigentlichen In- secten trennen, übersehend vereinigte Lix^fi dieselben in seinem auf die Flü- gelbildung (resp. den Flügelmangel) begründeten System als y>Insecta aptera<s. mit denjenigen Hexapoden, welche der Flügel entbehren und wurde hierin von Fabricius , Illiger u. A. nachgeahmt, bis zuerst Latreille die noch heut zu Tage als natürlich anerkannte Eintheilung in die oben genannten vier ein- ander gleichwerthigen Classen vornahm. Für die Abgrenzung derselben von einander ist in erster Reihe die Segmentirung des Körpers im Allgemeinen, verbunden mit der Vertheilung der Bewegungs-Gliedmaassen auf einen oder mehrere Hauptabschnitte des Hautskeletes, sodann die Anzahl der als »Fühl- hörner« bezeichneten Gliedmaassen und die Beschaffenheit der Respirations- organe in Anschlag zu bringen.](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b21907791_0022.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)