Handbuch der Zoologie / von Jul. Victor Carus und C.E.A. Gerstaecker.
- Date:
- 1863-1875
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Credit: Handbuch der Zoologie / von Jul. Victor Carus und C.E.A. Gerstaecker. Source: Wellcome Collection.
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![Betrachten wir die Protozoen als den Ausgangspunkt des ganzen Thierreiciis, so drängt sich uns die Frage nach ihrer Entstehung auf. In früherer Zeit, wo man mit der Annahme einer Urzeugung sehr leicht bei der Hand war, wo man selbst höher organisirte Thiere durch generatio aequivoca entstanden sein Hess, sobald sie in scheinbar ungewöhnlicher Weise und an Orten auftraten, welche eine geschlechtliche Fortpflanzung auszuschliessen schienen , war es Pflicht, dieser Annahme entgegenzutreten und durch den Nachweis des Zustandekommens einer regelmässigen geschlechtlichen Fortpflanzung das scheinbare Wunder aufzuklären. Für die meisten höheren Thiere, so wie für eine grosse Anzahl von Protozoen ist dies gelungen. Es entsteht aber jetzt die Frage, ob nicht noch fortwährend gewisse niedere Formen von Protozoen neu entstehen, namentlich solche, von denen aus die allmähliche Bildung höherer anzunehmen wäre. Wenn es auch sehr schwer ist, diese Formen zu bezeichnen, und namentlich zwischen organischer, gewiss überall mitbe- stimmten Eigenschaften, wie Contractilität u. s. w. begabter, und organisirter, individua- lisirter Substanz zu unterscheiden, so darf doch die Wissenschaft vor dieser Schwierig- keit nicht zurückschrecken. Wie die Sachen jetzt liegen, ist nicht bloss die Annahme einer sogen. Urzeugung, d. h. einer nach allgemein gültigen Gesetzen vor sich gehenden Bildung für die ersten Anfänge der Protozoen eine logische Notbwendigkeit, sondern es ist hiermit auch Pflicht der Wissenschaft geworden , die Lösung dieser Frage auf exactera Wege anzubahnen. Die neuesten auf diesen Punkt gerichteten Untersuchungen haben frei- lich noch zu keinem Ergebniss geführt; indessen sind auch die zu überwindenden Schwierigkeiten kaum irgendwo so gross wie hier, und wir sind der Ueberzeugung, dass die immer exacter werdenden Methoden auch diese überwinden werden. Die Protozoen sind Wasserthiere. Die Fähigkeit, in encystirtem Zustande das Austrocknen eine Zeit lang zu ertragen und beim Zutritt von Wasser wieder aufzuleben, erklärt das plötzliche Auf- treten vieler Formen. Auch ist es möglich, dass sie in einem solchen Zustande durch at- mosphärische Strömungen weit fortgeführt werden, — Umstände, welche die Annahme einer Urzeugung begünstigten. In Bezug auf die geographische und geologische Verbreitung der Proto- zoen wird auf die den einzelnen Classen beigegebenen Bemerkungen verwie- sen, da die bisher ermittelten Thatsachen kaum einer Verallgemeinerung zu- gänglich sind. Einestheils kennt man nämlich die wirkliche Protozoenfauna nur von Theilen Europa's^ anderntheils zog man früher niedere Pflanzen, wie ßacillarieen und Diatomeen^ zu den Protozoen und schloss aus deren Verbrei- tung auf die der Protozoen im Allgemeinen. Die in obigen Bemerkungen enthaltenen morphologischen Hinweisungen rechtfertigen die Stellung der Protozoen an das eine Ende des Thierreichs. Eine Einordnung der ein- zelnen Gruppen nach ihrer äusseren Aehnlichkeit in höhere Classen verbietet sich durch die äusserst einfache Organisation , welche in Bezug auf die Stellung einer Thiergruppe allein maassgebend ist. Wie die Räderthiere aus der Classe der Infusorien haben entfernt werden müssen, ebensowenig dürfen wirkliche Protozoen [Gregarinae, Ciliata] als An- fangsglieder höherer Typen betrachtet und diesen zugerechnet werden. Dagegen ist es eine andere Frage, ob in dem auf p. 13 'des I. Eds.) mitgetheilten Versuch, das Thierreich genealogisch zu ordnen, die Protozoen nicht später in einzelne Gruppen aufgelöst werden müssen, von denen die Entwickelung in höhere Typen ausgeht, ohne durch den Coelente- ratentypus zu führen. Die Eintheilung der Protozoen beruht wesentlich auf der verschiedenen Natur der Bewegungswerkzeuge, mit welcher gewisse Organisalionserschei- nungen, besonders die verschiedenen Differenzirungsgrade des Parenchyms in Rindenschicht und Centraisubstanz, parallel gehen. Da jedoch die Stellung der einzelnen Classen zu einander sich kaum in einer Beihe ausdrücken lässt, (weil dieselben ebenso viele scharf geschiedene Formenkreise darstellen, welche hier nicht, wie in höheren Classen auf einen gemeinschaftlichen mor-](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b21907791_0580.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)
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