Tropenhygiene, mit spezieller Berücksichtigung der deutschen Kolonien; Ärztliche Ratschläge für Kolonialbeamte, Offiziere, Missionare, Expeditionsführer, Pflanzer und Faktoristen / von Prof. Dr. Friedrich Plehn; neubearbeitet von Dr. Albert Plehn.
- Date:
- 1906
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Credit: Tropenhygiene, mit spezieller Berücksichtigung der deutschen Kolonien; Ärztliche Ratschläge für Kolonialbeamte, Offiziere, Missionare, Expeditionsführer, Pflanzer und Faktoristen / von Prof. Dr. Friedrich Plehn; neubearbeitet von Dr. Albert Plehn. Source: Wellcome Collection.
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![Übersicht eine Art von Fazit zu ziehen aus der Summe von Einzelbetrachtungen, die wir im Lauf dieses Semesters angestellt haben, über die Gefahren, die der einzelne unter Ihnen hin- sichtlich seiner Gesundheit im tropischen Kolonialdienst läuft und die Aussichten, welche vom gleichen Standpunkt aus betrachtet die europäische Besiedelung unserer tropischen Kolonien bietet. Nach dem. was Sie hier gehört haben, werden Sie verstehen, weshalb sich eine allgemeine Antwort auf beide Fragen nicht geben läßt. Die Tropen sind in gesundheit- licher Hinsicht nicht der einheitliche Begriff, in welchen sie mangelnde oder oberflächliche Kenntnis und die weitver- breitete Neigung, der in einem begrenzten tropischen Ge- biet erworbene Erfahrung allgemeine Gültigkeit und Bedeu- tung zu geben, so gern zusammenfaßt. Sie umfassen Länder, welche sehr verschieden sind nach dem Klima, nach den vorkommenden Krankheiten und nach dem sozialen Ent- w i ck 1 u n gszustan d. Das Klima an sich bedeutet kaum irgendwo eine direkte Gefahr für den Europäer. Auch die Beeinträchtigung des Wohlbefindens, welche der längere Aufenthalt im tropischen Küstentiefland mit sich bringt, ist der Beeinflussung durch die einer zielbewußten Hygiene zu Gebote stehenden Mittel in hohem Maß zugänglich. Die tropischen Hochländer und Gebirge umfassen die in meteorologischer wie in sanitärer Hinsicht überhaupt bevorzugtesten Gebiete der ganzen Erde. Die Verbreitung der Krankheiten, namentlich der lebens- gefährlichen Yolksseuchen, ist eine ganz verschiedene in den einzelnen Tropenländern; von ihr ist der allgemeine Gesundheitszustand in erster Linie abhängig. Wenn wir von Kiautschou absehen, das, außerhalb de]’ Tropen gelegen, auch in klimatischer Beziehung eine Stellung für sich einnimmt, so befinden sich unsere deutschen Kolonien zur Zeit noch sämtlich in der günstigen Lage aller aus völliger oder fast völliger Unkultur in die Kolonisation ein tretenden Länder: Ihre Pathologie ist eine außerordentlich arme; die Zahl der vorkommenden Krankheiten ist wegen der mangelnden Yerkehrsverhältnisse im Lande selbst wie mit dem Aus- land, eine sehr geringe. Wenige Tagereisen voneinander ent- fernt und unter ganz entsprechenden natürlichen Verhält- nissen finden sich im Gegensatz dazu in den älteren Kultur-](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b21988481_0315.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)


