Meine Erfahrungen über Appendicitis / von K.G. Lennander.
- Lennander, Karl Gustav, 1857-1908.
- Date:
- 1904
Licence: In copyright
Credit: Meine Erfahrungen über Appendicitis / von K.G. Lennander. Source: Wellcome Collection.
Provider: This material has been provided by The Royal College of Surgeons of England. The original may be consulted at The Royal College of Surgeons of England.
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![womöglich auch (man beachte das Herz) physiologische Kochsalzlösung subkutan oder intravenös (sehr langsam!). Unter einer solchen Be- handlung wird der Puls bald so viel besser, daß man eine Narkose [am liebsten lokale Anästhesie im Verein mit allgemeiner Narkose]1) wägen kann, sofern es nicht schon zu spät ist zum operieren. Sowohl in den Handbüchern wie in Vorträgen und Diskussions- äußerungen wird beständig hervorgehoben, daß ein kleiner und fre- quenter Puls eine Indikation für die Operatio nbei Appendicitiden ist. Ich möchte statt dessen sagen: Man soll operieren, noch ehe der Puls klein und frequent wird. Appendicitiskranke haben im allgemeinen einen vollen und etwas gespannten Puls mit einer Frequenz von 80—110, wenn sie sich von dem Erbrechen und den heftigen initialen Schmerzen erholt haben, wenn sie solche gehabt haben. Durch die Spannung in der Bauchwand (defense mus- culaire) und durch den zunehmenden Meteorismus wird nämlich der Blutdruck im Beginne der Krankheit vermehrt. Und so geht es fort, bis die Blutzufuhr zur rechten Herzhälfte vermindert oder zuletzt fast abgeschnitten wird durch die Gefäßerweiterung im Bauche (Lähmung des vasomotorischen Zentrums in der Medulla oblongata und damit des großen Gebietes des N. splanchicus) und durch Kom- pression der vom Bauche abführenden Venen, vor allem der Vena cava, im Zusammenhänge mit der fortschreitenden Peritonitis und der immer stärker werdenden Verschiebung des Zwerchfells nach oben. Die Verschlechterung des Pulses, die wesentlich ein Produkt der hier genannten mechanischen Verhältnisse ist, kommt deshalb un- erwartet rasch, ja für den weniger Erfahrenen als eine reine Ueber- raschung. Bei Sektionen findet man oft, daß das Herzfleisch ein ge- sundes Aussehen hat. Hindern es äußere Verhältnisse, einen Patienten mit nicht be- grenzter Peritonitis sofort zu operieren, oder hält man den Zustand des Patienten für so gut, daß man an eine medizinische Behandlung denken kann, dann verordne man eine solche: gutes Bett, Kniepolster, auf den Bauch 2 große Eisblasen, nichts per os, außer vielleicht heißes Wasser teelöffelweise. Durch diese vollständige Ruhe für den ganzen Körper und für den Darm, sowie durch die Applikation des Eises auf den Bauch hören oft die Schmerzen ganz rasch auf. Sollten sie es nicht tun, wird eine subkutane Morphiumeinspritzung gegeben oder 0,05 g Opium auf einmal in das Rectum, aber die Gabe von Morphium oder Opium wird nicht wiederholt, wenn nicht die Schmerzen von neuem dazu zwingen. In diesem Falle muß man sich in- dessen erst fragen, ob es nicht am sichersten ist, sofort 1) Vgl. meine Abhandlung über die Sensibilität in der Bauchhöhle. Hygiea, 1901. Mitteil. a. d. Grenzgeb. d. Med. u. Chir., Bd. 10.](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b22394801_0058.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)
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