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Credit: Lehrbuch der speziellen pathologischen Anatomie. Source: Wellcome Collection.
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![den Organhaut zustande); dann wird die Flüssigkeit zum Teil resorbiert, die Blase kollabiert, faltet sich; später findet man in der Kapsel nur einen schmierigen Brei, der Fettdetritus und reichlich Cholestearin enthält und in welchem oft noch Haken, zu finden sind. Die Kapsel schrumpft und verkalkt Auch der käsige Detritus im Innern kann verkalken. So kommt es sehr oft, vielleicht in 50% der Fälle, zur Spontanheilung. Solche Fälle verlaufen latent. — Leoende E. machen sich durch Druck, der gelegentlich, wenn er die Leberpforte oder direkt einen benachbarten Gallengang trifft, Icterus hervorruft (Lit. bei Quenu) und ferner Blut- stauung bewirken kann, bemerkbar. Andere Fälle werden gefährlich, indem Eiterung oder Verjauchung hinzutritt. Nach Traumen, ferner nach Punktionen, vielleicht auch durch hämatogenen Hinzutritt von Eiter- erregern (vgl. J. Koch. Mehlhose) kann die Umgebung in Eiterung geraten, der Inhalt in Eiter untergehen. Es entsteht dann ein Absceß, in welchem zuweilen noch eingerollte Reste der Membran und meistens noch Haken zu finden smd. (Die intakte Hydatidenmembran läßt keine Bakterien durch; Troisier fand bei einem Typhusfall, dessen Blutserum in Lös. ^200 agglutinierte, weder Typhus-Agglutinine noch -Antikörper in der Flüssigkeit.) Auch die weitere Umgebung kann mitbeteiligt werden, und es kann Durchbruch *) in ein benachbartes Hohlorgan erfolgen. Das kann mit oder ohne Abscedierung geschehen; in letzterem Fall werden die umgebenden Teile durch Druck zum Schwund gebracht, oder es wirkt ein oft nur geringfügiges Trauma mit. Verf. sah z. B. einen Fall, wo bei einem jungen Manne durch heftiges Tanzen eine Ruptur eines Leberechinococcus eingetreten war. Eröffnet sich der Sack in die Bauchhöhle, so folgt entweder eine bald zum Tode führende eitrige Peri- tonitis, und zwar wenn die Cyste vereitert war, — oder es treten mfolge Resorption der Eehino- coccusflüssigkeit vergiftungsartige Symptome auf (Erbrechen, Durchfälle, Urticaria, Eosino- philie [kein sicheres Zeichen, Barling-Welsh] und acute mehr oder weniger heftige peritoneale Reizerscheinungen, was aber meist gut abläuft (s. Oehlecker, Lit.) — oder die Folgen sind ernster: wenn der Echinococcussack Tochterblasen enthielt, so können diese auf das Peritoneum aufge- pfropft werden, regen eme produktive Entzündung der Unterlage an (dabei können auch Riesen- zellen auftreten, vgl. S. 556), setzen sich fest und können sich weiter entwickeln; das kann an zahllosen Stellen zugleich geschehen und von lebhafter, allgemeiner Peritonitis (die einer tuberkulösen ähneln kann, F. Weber u. a.) begleitet sein. Ausgang meist infaust (vgl. Kablvkoff). Die Blasen können später so von Adhäsionen umgeben sein, daß sie scheinbar subperitoneal liegen. Natürlich können auch einmal Embryonen (Skolices) bei Ruptur eines Leberechino- coccus frei und implantiert werden und später zu Blasen auswachsen. — In anderen Fällen findet ein Durchbruch durch das Zwerchfell in die Pleurahöhle, die Lunge und Bronchien statt (s. S. 318) oder in den Magen, Darm, das Nierenbecken (meist rechts), sein- selten in die Harn- blase, ferner in die Gallenwege (Lit. Carle), was nach Quenu (Lit.) Cholangitis nach sich zieht und die häufigste Ursache des Icterus bei cystischem Echinococcus ist. Sehr selten ist Durch- bruch in Lebervenen, wie ein Präparat der Basler Sammlung von einem 37jähr. Mann zeigt (mitbeschrieben in der Arbeit von Deve, Lit.), oder in die Vena cava (eventuell tödliche Lungen- embolie). — Durch den Druck eines großen Sackes kann ein ganzer Leberlappen zum Schwund gebracht werden. Das langsame Wachstum des Sackes ermöglicht eine ausgiebige kompen- satorische Hypertrophie des übrigen Leberparenchyms (vgl. S. 616). Lit. bei Peiper, E. IX ersch. 1905 u. Über chirurgisch wichtige Lokalisationen des E. bei Frangenheim (bis 1906), A. Becker (bis 1908); s. auch Parlavecchio. Andere Parasiten in der Leber. Pentastomum denticularuni, die Larve von P. taenioides, oder Linguatula rlunaria (eines lanzettförmigen, in der Nase des Hundes lebenden Tieres) ist der häufigste Parasit der Leber. *) Während Spontandurchbrüche beim hydatidösen Echinococcus ungemein häufig smd, sind sie bei Alveolarechinococcus sehr selten (vgl. Posselt, Lit.).](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b21018169_0631.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)