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Credit: Lehrbuch der speziellen pathologischen Anatomie. Source: Wellcome Collection.
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![vermag, so tritt Icterus ein (Icterus pleiochromicus). Solche Bedingungen scheinen zu bestehen, einmal wenn bekannte Blutgifte (wie Äther, Chloro- form, Karbolsäure, Pyrogallussäiire, chlorsaure Alkalien, Arsenwasserstoff, Morchelgift [Helvellasäure], Toluyleridiamin) wirksam waren, und man spricht daher auch von toxischem Icterus; ferner sehen wir Icterus bei Phosphor- vergiftung, wobei es als sehr zweifelhaft gilt, ob ein Katarrh der kleinen Gallengänge oder gar eine Kompression und Verstopfung der Gallenkapillaren durch Trümmer zerfallener Leberzellen als mechanische Erklärung ange- sehen werden können. — Bei dem infektiösen Icterus, der bei septischen Er- krankungen und öfter auch bei Scharlach, Typhus, Pneumonie usw. auftritt, werden gleichfalls gröbere Hindernisse für den Gallenabfluß in der Regel vermißt. Wie Kommt liier der Icterus zustande 1 Früher nahm man in allen Fällen der erst er- wähnten Art eine Umwandlung des Hämoglobins zu Bilirubin im Blute selbst an und sprach in diesem Sinne von hämatogenem Icterus. Diese Aulfassung hat man dann verlassen: denn einmal ist dieser Übergang zu Bilirubin nicht sicher genug dargetan, und femer macht das Auftreten von Gallenfarbstoff allem noch nicht den Icterus aus, sondern man findet auch Gallensäuren im Blut und in den Säften (z. B. auch in den Transsudaten) dieser Icterischen, und diese Substanzen können nur durch Tätigkeit der Leberzellen entstanden und von hier indirekt (durch die Lymphe) oder direkt in das Blut gelangt sein. Nach den Untersuchungen von Naunyn, Kunkel, Minkowski, Stadelmann u. a. steht es unbedingt fest, daß es einen Icterus ohne Vermittlung der Leber nicht gibt. Bei Vögehi (Gänsen und Enten), welchen die Leber exstirpiert wird, sieht man den sonst nach Inhalation von Arsenwasserstoff regelmäßig auf- tretenden Icterus ausbleiben (Minkowski, Naunyn). Es ist also der Icterus in jenen Fällen nur in dem Sinne hämatogen, als infolge des gesteigerten Zerfalles roter Blutkörperchen ein größeres Arbeitsmaterial in die Leber gelangt, als von derselben trotz der Bereitung einer sehr reichlichen und sehr pigmentreichen, dicken GaUe in normalem Sinne ausgeschieden werden kann. Es findet infolgedessen in der Leber ein Übertritt von (lalle in das Blut stall (Parapedesis bilis). Zum Verständnis des Vorganges bei der Parapedese, wie er sich hauptsächlich nach den Untersuchungen von Minkowski darstellt, muß vorausgeschickt werden, daß man eine doppelte Sekretion in der Leber annimmt, nämlich eine äußere, nach den Gallenwegen gerichtete (von Gallensäuren und Gallenfarbstoff) und eine innere, die nach den Blut- und Lymphwegen hin erfolgt (von Hanistoff und Zucker). — Es erscheint nun durchaus plausibel, daß, wenn Funktionsstörungen der Leberzellen vorliegen, die man sich sowohl durch Überladung gesunder Zellen (bei Icterus pleiochromicus) als auch durch Krankheit der Zellen (bei infektiösem und teilweise auch bei toxischem Icterus) bedingt vorstehen darf, die Richtung und das Maß jener Sekretion sich ändern kann (vgl. Quincke). Werden die Gallenbestandteile hierbei nach der Seite der Blutgefäße abgegeben, so spricht man von Parapedese (Minkowski) oder Faracbolie (Pick) oder von Ditfusionsictenis (Liebermeister). Neuere Untersuchungen über den Bau der Leber sind vielleicht imstande, ein schärferes Licht auf den anatomischen Weg zu werfen, auf welchem der Übertritt von Galle ins Blut erfolgt. Danach setzen sich die mtercellulären Gallenkapillaren in Vakuolen, Sekret Vakuolen, einen knopfförmig endenden Gang im Innern der Zelle fort (v. Kupffer u. a.), und es gehen von diesem feinste intracelluläre Sekretkanälchen aus (Browicz, Nauwerck), welche den Kern umspinnen (und nach Browicz auch in demselben liegen). Bei chronischer Gallenstauung sind sie mit braunen und gelbgrünen Massen erfüllt. Anderseits stehen aber die Leberzellen auch in in- nigster Besiehung zu den Blutkapillaren, die freilich nur recht verständlich wird, wenn man die von den Blutgefäßen aus injizierbaren inlracellulären Netzwerke von Fräser und Nauwerck](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b21018169_0649.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)