Grundlagen, Aufgaben und Grenzen der Therapie : nebst einem Anhange : Kritik des Koch'schen Verfahrens / von O. Rosenbach.
- Rosenbach, O. (Ottomar), 1851-1907.
- Date:
- 1891
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Credit: Grundlagen, Aufgaben und Grenzen der Therapie : nebst einem Anhange : Kritik des Koch'schen Verfahrens / von O. Rosenbach. Source: Wellcome Collection.
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![In dem eben erwähnten Falle, bei einer schweren iilcerösen Laryngitis, fand sicli bei dem hochfieberuden Kranken, dessen Temperatur von der Injection nicht wesentlich beeinflusst wurde, etwa 8 Stunden nach der Injection eine starke Röthung der Taschenbäuder. Unserer Auffassung- nach ist die Frage von der Reaction des Larynx sehr schwer zu entscheiden, da der Zustand der Kehlkopf- schleimhaut, namentlich ihre Färbung und Succulenz, von dem Verhalten des Kranken in anderer Beziehung, namentlich bezüglich der Körpertemperatur, sehr beeinflusst wird. Bei hohem Fieber, bei starkem Husten zeigt sich stets stärkere Injection und scheinbar vermehrte Schwellung, namentlich bei schwereren Fällen und am Abend, wo die Secretion der Schleimhäute ohnehin vermehrt ist und die Exacerbation des Fiebers und der Hustenparoxysmen die am Tage zu beobachtenden Erscheinungen wesentlich modificirt. d) Erscheinungen am Respirationsapparate. Sie treten bis- weilen sehr in den Vordergrund und sind meistens direct vom Fieber bedingt oder doch wenigstens eine der Temperaturerhöhung coordinirte Folge eines uns unbekannten Einflusses des Tuberkulin. Man beobachtet Hustenreiz, stärkere Expectoration, starke Vermehrung der Athmungsfrequenz, hochgradige Dyspnoe, die theilweise durch Schmerz- und Druckgefühl in den Thorax- und Bauchmuskeln bedingt ist, theilweise von directer Beeinflussung der einzelnen Factoren der Respiration herrührt, theilweise als Folge gewisser circulatorischer Einwirkungen jzu betrachten ist. — Von nicht wenigen Autoren sind Veränderungen des physi- kalischen Befundes über den Lungen, Auftreten von Rasselgeräuschen und Veränderungen der Athmungsgeräusche an Stellen, an denen vorher normaler Befund war, Aufhellung und Entstehung von Dämpfungen und Ausbildung eines tympanitischen Percussionsschalles beobachtet worden; Andere, wie der Verfasser dieses Berichtes, sind nicht so glücklich gewesen, mehr und wesentlichere Verände- rungen des Lungenbefundes aufzufinden, als sie auch sonst bei einem so wechselnden Bilde, als es die Phthise bietet, zu Tage treten. Jedenfalls ist die Zahl •der Fälle mit sicheren, durch die Auscultation und Fercussion wahrnehmbaren Veränderungen, die sich unzweifelhaft nur als Folge der Einspritzung betrachten lassen, verhältnissmässig sehr gering uud lässt sich nicht annähernd mit der Regelmässigkeit des Befundes und der Steigerung der Erscheinungen an lupösen Stellen der äusseren Haut oder der Schleimhäute in Parallele bringen. Das Auftreten von CHEYNE-STOKEs'schem Athmungstypus haben wir schon oben berührt. e) Am Circulationsapparate. Sehr häufig ist eine Vermehrung der Pulsfrequenz beobachtet worden; doch geht die Pulszahl verhältnissmässig selten 4er Höhe der Temperatur parallel. Dass die Spannung der Arterien während des fieberhaften Anfalles abnimmt, während bei dem der Steigerung oft vorausgehenden Schüttelfrost erhöhte Spannung zu beobachten ist, erscheint a priori klar. Die Auscultation des Herzens ergiebt nur die dem Fieber zukommenden Veränderungen. In einzelnen Fällen ist Collaps beobachtet worden, der aber wohl eher eine Folge allge- meinen Chocs, als eine directe Schwächung der Herzthätigkeit zu sein scheint. Unregel- mässige Pulsaction und Anfälle nach Art der Angina pectoris sind nicht selten zu ver- zeichnen gewesen, ebenso Reiz- und Lähmungserscheinungen von Seiten der Vasomotoren. f) Veränderungen des Urins. Wir haben bereits oben die Polyurie (Rosenbach , Martins , Meschede) , Peptonurie (Kahler u. A.) , Albuminurie, Urobilinurie und vermehrte Farbstoffausscheidung erwähnt, die wir nicht als Folge der Nierenerkrankung, sondern als Folge einer Einwirkung auf das Blut oder den Gesammtstoffwechsel ansehen. Von einigeij Beobachtern (Pribram) ist Diazoreaction beobachtet worden, in unseren Fällen fehlte sie. Hämorrhagische, durch Autopsie «onstatirte Nephritis, die übrigens bei Phthisikern nicht selten ist, wurde von «inigeu Beobachtern mit der Injection von Tuberkulin in Beziehung gebracht, ebenso Hämaturie, die im Verlaufe der Behandlung auftrat. g) Digestionstractus. Die am Digestionsapparat zur Beobachtung kommenden Erscheinungen, wie Uebelkeit, Erbrechen, Schmerzen in der Magen- ]2*](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b21075372_0199.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)