Die Tuberculose der Knochen und Gelenke : auf Grund eigener Beobachtungen bearbeitet / von Fr. Koenig.
- Franz König
- Date:
- 1884
Licence: Public Domain Mark
Credit: Die Tuberculose der Knochen und Gelenke : auf Grund eigener Beobachtungen bearbeitet / von Fr. Koenig. Source: Wellcome Collection.
Provider: This material has been provided by The Royal College of Surgeons of England. The original may be consulted at The Royal College of Surgeons of England.
35/179 (page 27)
![lenken ist die Zahl der Bacillen nicht gross und es bedarf oft müh- samer Untersuchungen, Anfertigung vieler Präparate, um solche zu finden. Dass man nur in dem Falle in einem Gelenk oder Knochen Bacillen finden wird, wenn man sich mit dem Suchen an die exquisit tuberculüsen Stellen hält, braucht wohl nicht erst besonders hervor- gehoben zu werden. Trotzdem gelingt es auch bei angestrengtem Suchen in exquisit tuberculösen Gelenken nicht immer, die Körperchen nachzuweisen. Was soll man daraus schliessen? Soll man solche Fälle etwa für nicht tuberculös halten? Das wäre unserer Ansicht nach ein ganz gewaltiger Verstoss. Wer noch nicht gelernt hat, die Diagnose der Krankheit aus dem pathologisch-anatomischen und kli- nischen Verlauf und, wir betonen dies, aus dem makroskopischen und mikroskopischen Bild zu machen, der soll unserer Ansicht nach lieber überbau])! davon bleiben, eine Knochen- oder Gelenktuberculose zu erkennen. Gegenüber mannigfachen Widersprüchen nehmen wii’, gestützt auf viele hundert Untersuchungen an, dass das histo- logische Bild der Tuberculose, der Nachweis des eigen- thünilichen Tuberkelgewebes in einem Gelenk, einem Knochen, der die makroskopischen Zeichen der Tubercu- lose trägt, vollkommen beweisend ist für das A^orhanden- sein derselben. So halten wir denn auch den Tuberkel mit seinen eigenthümlichen Zellen und Riesenzellen für beweisend. Wir wissen, dass Riesenzellen in mancherlei Granulationsgewebe Vorkommen, wir wissen, dass zuweilen in anderweitigen Granulationstumoren (Syphilis) Tuberkelknötchen sich entwickeln. Was haben solche seltenen Aus- nahmen zu bedeuten gegenüber der colossalen Majorität der Fälle, bei welchen von Sy])hilis absolut keine Rede sein kann, und sind die wenigen Fälle von Sy[)hilis mit ex(juisiter Tuberculose nicht Compli- cationen der Krankheit? Mir fällt bei dieser Del)atte immer wieder die alte Annahme ein, dass sich in allen möglichen „chronischen Geschwüren“ Tuberkel entwickeln könnten. Die Zeit hat gelehrt, dass in einem alten Beingeschwür, in alten Nekrosengranulationen Tuberkel typischer Art nie zur Entwickelung kommen, dass aber die sogenannten tuberculös gewordenen chronischen Geschwüre tubercu- löse sind wie das fistulöse Mastdarmgeschwür, die sul)cutanen Tubcrcu- losen und andere. Auf ein diagnostisches Mittel für die Zweifler und in manchen Fällen amdi für den geübten Diagnostiker müssen wir hier aber verweisen. Es ist das thierische Ex])eriment. Gar häufig z B. handelt es sich darum, den eitrigen oder serös-eitrigen Inhalt eines Gelenks als tuberculös oder nicht tuberculös zu erkennen.](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b22370808_0037.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)