Einwirkung des Spermins auf den Stoffumsatz bei Autointoxicationen im Allgemeinen und bei harnsaurer Diathese im Speciellen / von Alexander Poehl.
- Poehl, Aleksandr Vasil'evich, 1850-1908.
- Date:
- 1894
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Credit: Einwirkung des Spermins auf den Stoffumsatz bei Autointoxicationen im Allgemeinen und bei harnsaurer Diathese im Speciellen / von Alexander Poehl. Source: Wellcome Collection.
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![Linie solche Umwandlungen ein, die sie geeignet machen, aus den Ge- weben in den Kreislauf zu treten. Die weitere Oxydation kann diese Um- wandlungen bis zur Harnstoffbildung führen; somit wird in dem ersten Falle die Leukomainmenge ohne Hebung des Harnstoffgehaltes vergrössert werden; im anderen Falle steigt die Harnstoffmenge im Harn unter gleich- zeitigem Sinken der Leucomainmenge. Jedenfalls haben wir in beiden Fällen mit Steigerung der Oxydationsprocesse zu thun und auf beiden Wegen gelangt der Organismus zu einem und demselben Resultat, dass das Verhältniss des Gesammtstickstoffs des Harns zum Harnstoff- stickstoff der Einheit sich nähert und die Gewebe von den Leukomainen entlastet werden. II. Sehr bald nach Einwirkung des Spermins erfolgt eine Verän- derung des Verhältnisses des Harnstoffs zum CINa. Gewöhnlich, unter normalen Umständen ist das Verhältniss des Harnstoffs zu CINa gleich 2 : 1. Die Verringerung dieses Verhältnisses resp. der Chloride im Harn ist stets mit pathologischen Zuständen ver- bunden. Bei einem Kranken, bei dem die intraorgane Oxydation herab- gesetzt ist, ist meist auch das Verhältniss des Harnstoffs zu CINa unter der Norm, d. h. die Ausscheidung der Chloride ist eine ver- ringerte. Bei Einwirkung des Spermins macht sich ziemlich bald eine Beeinflussung dieses Verhältnisses bemerkbar, und zwar steigt der Ge- halt der Chloride im Harn wesentlich. In dieser Steigerung erkenne ich auch den Ausdruck einer Hebung der Oxydationsprocesse und zwar auf Grund von folgenden Erwägungen: Ultzmann und Hofmann haben schon darauf die Aufmerksamkeit gelenkt, dass beim Eindampfen von normalem Harn ein Rückstand zurückbleibt, der rhombische sechseckige Tafeln einer Harnstoff-Chlornatrium-Doppelverbindung zurücklässt. Auf Grund von diesen Angaben habe ich sehr häufig bei Harnanalysen den vor- sichtig eingedampften Harntropfen unter dem Mikroskop betrachtet. Nur in normalem Harn, niemals bei herabgesetzter Oxydation, habe ich diese Gebilde getroffen. Ob diese rhombischen Tafeln das Chlor- natriumdoppelsalz [CO.(NH1 2)2NaCl -j- H20] oder salzsaurer Harnstoff [C0(NH2)2HC1] sind, will ich dahingestellt sein lassen; den Krystallen nach müssten wir es mit dem Harnstoffchlorid zu thun haben, denn das Harnstoffchlornatrium krystallisirt in schiefen rhombischen Säulen. Ich stelle mir vor, dass der Harnstoff im Harn nicht als solcher, sondern als Chlorid oder als Chlornatriumdoppelsalz ’) ausgeschieden wird und daher sieht die Erhöhung der Oxydationsprocesse im Einklang mit der vermehrten Ausscheidung des Chlors, während ein Harn, der einen grossen Gehalt an Leukomainen aufweist, geringe Mengen von Chlor enthält. Diese Ansicht kann auch eine genügende Erklärung 1) DasHarnstoffchlornatrium-Doppelsalz diffundirt ausserordentlich rasch durch thierische Membran. (A. Poehl, Russ. chem. Gesellschaft. 7. Oct. 1893.)](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b22399070_0030.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)


