Die Neuronenlehre und ihre Anhänger : ein Beitrag zur Lösung des Problems der Beziehungen zwischen Nervenzelle, Faser und Grau.
- Franz Nissl
- Date:
- 1903
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Credit: Die Neuronenlehre und ihre Anhänger : ein Beitrag zur Lösung des Problems der Beziehungen zwischen Nervenzelle, Faser und Grau. Source: Wellcome Collection.
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![Tafel 1. Fig'. 1. Schematische Darstellung des Nervensystems der Wirbellosen. Die dunklen Knoten sind die Ganglien der Wirbellosen, welche durch Nervenfasern (Connective) unter einander verbunden sind (11). Die Längsstränge {11, 2 und 2<x'') und die Ganglienknoten (12) der beiden Hälften sind durch Commissurenfasern (5 und 6), sowie durch Kreuzungen miteinander verbunden. Von den Ganglienknoten (12) gehen die peripheren (receptorischen und motorischen) Nervenfasern (4, 8, 9, 10) ab. Jeder Ganglienknoten (12) zeigt ein oder mehrere peripher dem Knoten auf- sitzende Ganglienpolster [S, Sa, 7), in denen die kernhaltigen Nervenzellenkörper der unipolaren Nervenzeilen etablirt sind (angedeutet durch kleine schwarze birnen- förmige Gebilde deren Stiel [= der eine Fortsatz] in die Ganglienknoten hineinragt und sich in denselben verzweigt etc.). Die schematische Figur stellt nur drei Paare Ganglienknoten dar; die zwei unteren sind einfache Knoten, je einer für die rechte, je einer für die linke Seite, welche durch Commissurenfasern (5) verbunden sind. Jeder Knoten besitzt sein Ganglienzellenpolster (3 und Sa) und seine peripheren Nerven (4). Das Connectiv (11, 2 und 2a') setzt sich nach beiden Seiten fort; es sind also noch weitere Knoten eingeschaltet. Die einzelnen Knoten stellen gewissermasseu das Nervensystem eines Segmentes der Wirbellosen dar. Der grosse Knoten im Schema entspricht dem Kopfe eines wirbellosen Thieres; derselbe wird als Gehirnganglion bezeichnet. Im Grunde ist das Gehirn nichts anderes als ein Complex einfacher Ganglien knoten mit je einem Ganglienpolster, mit Commissurenfasern, Kreuzungen u. s. w. Die Linien IS, 14 und 15 dienen zur Erklärung des BETHE'schen Fundamental- versuches. Durch den Schnitt IS wurde das Ganglienpolster 7 abgetragen; der Schnitt 14 und 15 isolirte völlig die centrale Substanz, aus der die peripheren Nerven (8) hervorgehen. Die Linie 1 trennt den Theil eines Knotens ab, der in Fig. 2 genauer dar- gestellt ist. Fig-. 2. Das Connektiv 2 der Fig. 1 entspricht hier den Fasern bei 2. Das Ganglienpolster 3 der Fig. 1 entspricht hier den Zellen Sa, 3b, Sc, Sd, 3e, 3f, Sg; die Fortsetzung des Connectivs 2a' der Fig. 1 entspricht hier den Fasern 2a'; die Commissur 5 der Fig. 1 entspricht hier 5, und endlich entsprechen die peripheren Nerven 4 der Fig. 1 hier den Fasern 4. Die Doj^pelHnie 1—1 bildet die Grenzlinie zwischen Ganglion und dem Ganglien- zellenpolster. Alle Zellen sind unipolar; der eine Stammfortsatz derselben tritt in die centrale Substanz des Ganglion ein und verzweigt sich hier oder bildet ausser- dem noch einen sich nicht verästelnden Fortsatz, wie z. B. der Fortsatz der Zelle Sc mit der rothen Neurofibrille, welche sich den peripheren Nerven 4 zugesellt. Solche sich nicht verästelnden Fortsätze begeben sich hauptsächlich zu motorischen Nerven- fasern. JVIan kann sie als den Nervenfortsätzen der Wirbelthiere analog auffassen. Die sich verästelnden Fortsätze entsprechen den Dendriten der Wirbelthiere. Sa ist der sich verästelnde Zweig des Stammfortsatzes einer Zelle aus dem Ganglienpolster der anderen Seite, würde also dem Stammfortsatze einer Nervenzelle aus dem Gan- glienzellenpolster Sa der Fig. 1 entsprechen. Er tritt durch die Commissur 5 in das Neuropil des in Fig. 2 abgebildeten Knotens ein. Sa' ist der Stammfortsatz von ebenfalls einer Zelle aus dem hier nicht abgebildeten Ganglienzellenpolster der an- deren Seite, welches dem Polster Sa in Fig. 1 entspricht. Dieser Stammfortsatz Sa' zeigt einen sich nicht verästelnden Fortsatz mit rother Fibrille, welche zur Fibrille einer motorischen Nervenfaser des Connectivs 2a' wird. Im üebrigen ist die Fig. 2 durch den Text des Kapitels XX verständlich. Die Zellen Sa, Sb, Sc etc. zeigen Neurofibrillengitter. In den sich verästelnden Fortsätzen vermag man den Verlauf der Neurofibrillen zu verfolgen. 6, 7, 8 sollen das diffuse Elementargitter Apathy's andeuten. In dasselbe münden die Neuro- fibrillen der verästelten Fortsätze, bezw. sie entstehen aus demselben und treten in die verästelten Fortsätze ein. Die rothe Fibrille h des peripheren Nerven 4, die rothe Fibrille k des Connektives 2a' und die rothe Fibrille e des Connectivs 2 sind Fibrillen motorischer Nervenfasern, welche aus dem Elementargitter sich ent- wickeln; die schwarze Fibrille a vom peripheren Nerven 4, die Fibrille d des Con- nectivs 2 und die Fibrille i des Connectivs 2a' sind Fibrillen receptorischer Nerven- fasern, die ins Elementargitter einmünden.](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b21170058_0483.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)