Untersuchungen über Aminosäuren, Polypeptide und Proteine (1899-1906) / von Emil Fischer.
- Emil Fischer
- Date:
- 1906
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Credit: Untersuchungen über Aminosäuren, Polypeptide und Proteine (1899-1906) / von Emil Fischer. Source: Wellcome Collection.
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![ich ihre Gewinnung als den Beginn der Synthese der natürlichen Peptone und Albumosen bezeichnen möchte. Da die weitere Verfolgung dieser Beobachtungen noch viele Jahre in Anspruch nehmen kann und andererseits das experimentelle Material schon jetzt einen erheblichen Umfang angenommen hat, so halte ich es für zweckmäßig, zur leichteren Orientierung einen Auszug daraus zu geben, der alle Publikationen bis zum Ende 1905 umfaßt. Ich werde mich dabei auf meine eigenen Untersuchungen und die damit im engen Zusammenhänge stehenden Arbeiten im hiesigen Institut beschränken und fremde Versuche nur soweit berücksichtigen, als sie mir besonders wichtig oder historisch interessant erscheinen. I. Aminosäuren. Indem ich ihre Geschichte als bekannt voraussetze, will ich nur erwähnen, daß bei Beginn meiner Versuche 9 Monoaminosäuren, 3 Di- aminosäuren und das schwefelhaltige Cystin als Spaltprodukte von Pro- teinen bekannt waren. Synthese der Monoaminosäuren. Die Synthese war bereits realisiert bei den 8 Monoaminosäuren: Glykocoll, Alanin, a-Aminovaleriansäure, Leucin, Asparaginsäure, Glutaminsäure, Phenylalanin und Tyrosin, soweit es sich um die Racem- körper handelt. Von den Methoden, die dazu benutzt wurden und die man in den Lehrbüchern der organischen Chemie zusammengestellt findet, sind zwei durch allgemeine Gültigkeit und praktische Brauchbarkeit aus- gezeichnet: einerseits die Wechselwirkung zwischen Ammoniak und den a-Halogenfettsäuren und andererseits die von Strecker herrührende Cyanhydrinmethode, d. h. Vereinigung eines Aldehyds mit Blausäure und Ammoniak und nachfolgende Verseifung des Amino-cyanhydrins. Ich habe beide wiederholt angewendet, um bekannte oder neue Aminosäuren zu gewinnen, und habe auch die erste Methode erweitert durch eine neue Darstellung der dafür erforderlichen a-Halogenfett - säuren. Sie besteht darin, die Monoalkylmalonsäure von der allge- meinen Formel R.CH(COOH)2 zu bromieren und die dabei fast quan- titativ entstehenden Bromprodukte von der Formel R.CBr(COOH)2 durch Erhitzen in Bromfettsäuren zu verwandeln. Auf diese Art läßt sich z. B. die Isobutylmalonsäure mit guter Ausbeute in Leucin1) über- x) E. Fischer u. W. Schmitz, Berichte d. d. ehern. Gesellsch. 39, 351 [1906]. (S. 205.)*) *) Die in K u r s i v gedruckten Zahlen beziehen sich auf die Seiten dieses B uches. 1*](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b28052183_0019.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)