Untersuchungen über Aminosäuren, Polypeptide und Proteine (1899-1906) / von Emil Fischer.
- Emil Fischer
- Date:
- 1906
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Credit: Untersuchungen über Aminosäuren, Polypeptide und Proteine (1899-1906) / von Emil Fischer. Source: Wellcome Collection.
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![Resultate, als ich an Stelle des Thionylchlorids das Phosphorpenta- chlorid setzte und als Lösungsmittel Acetylchlorid benutzte. Auf diese Art gelang zuerst die Chlorierung des Bromisocapronyl-glycins1), dann des Bromisocapronyl-glycyl-glycins sowie der Hippursäure, und alle diese Produkte konnten, wie ich später ausführlich schildern werde, für die Gewinnung von Polypeptiden oder deren Acylderivaten benutzt werden 2). Der letzte Erfolg dieser langen Versuchsreihe war endlich die Ge- winnung der Aminosäurechloride selbst, die bei der Reaktion als Hydro- chlorate entstehen. Die Struktur dieser Körper habe ich durch die „ . ^ R.CH.COC1 , .. , . . , , , „ . allgemeine Formel • ausgedruckt, wen ich glaube, daß sie NH3C1 am einfachsten ihre Entstehung und ihre Verwandlungen darzustellen erlaubt. Bisher wurde das Verfahren nur auf die Monoamino-monocarbon- säuren angewendet, hat aber hier ausnahmslos zum Ziele geführt. Die Operation besteht darin, daß die fein gepulverte Aminosäure mit etwa der 10—15-fachen Menge Acetylchlorid und der berechneten Menge Phosphorpentachlorid bei 0—20° geschüttelt wird. Die Aminosäure verschwindet dabei allmählich, und an ihre Stelle tritt das schwer lösliche Hydrochlorat des Aminosäurechlorids. Bei einigen Amino- säuren, namentlich beim Glykocoll, bedarf es allerdings einer besonderen Vorbereitung für diese Reaktion, d. h. die Aminosäure muß aus der warmen, wässerigen Lösung durch Alkohol gefällt und dann selbst- verständlich scharf getrocknet werden. Mit solchem Material gelingt es, die Chlorierung so glatt durchzuführen, daß das Produkt nahezu den theoretischen Chlorgehalt besitzt. Ganz anders ist das Resultat, wenn man das aus Wasser kristalli- sierte Glykocoll auch nach feinster Pulverung und sorgfältigstem Trocknen verwendet, da dann gar kein salzsaures Glycylchlorid erhalten wird. Die Ursache dieser merkwürdigen Verschiedenheit ist noch nicht aufgeklärt3). Analysiert sind bis jetzt die Chlorderivate des Glykocolls, des dl- und ^-Alanins, der ^/-Amino-buttersäure, des ^-Leucins und des d/-Phenyl-alanins. Größere Schwierigkeiten haben sich bei den Diamino- und Oxy- aminosäuren gezeigt, weil hier phosphorhaltige Nebenprodukte ent- stehen, die die Isolierung der richtigen Chloride sehr erschweren. Auch für Asparagin- und Glutaminsäure sind die Versuche noch nicht ab- geschlossen. Trotzdem bildet die Auffindung dieser Halogenderivate der Aminosäuren einen wesentlichen Fortschritt für die Synthese vieler 1) Berichte d. d. chem. Gesellsch. 37, 3070 [1904], (S. 377.) 2) Berichte d. d. chem. Gesellsch. 38, 605 [1905]. (S. 422.)](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b28052183_0032.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)