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Credit: Chirurgie der Thymusdrüse / von Dr. Heinrich Klose. Source: Wellcome Collection.
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![Syphilis (DuboiWhf AI.-/' -■-- . Tul.'-iku] -<■ <l<- Tl.-. E. Syphilis (Duboissche Abszesse), Tuberkulose, Hodgkinsehes Granulom, Chlorom der Thymusdrüse. Paul Dubois hat 1850 zuerst im Thymus „Eiterherde beschrieben, deren Bildung er auf eine spezifische, durch hereditäre »Syphilis hervor- gerufene Entzündung zurückführt. Nach ihm bezeichnet man noch heute die abszeßähnlichen Veränderungen im Thymus bei angeborener Syphilis als Dubois sehe Abszesse. Um ihre recht geringe chirurgische Bedeutung zu verstehen, muß man sich die neuesten pathologisch-anatomischen Untersuchungen vor Augen halten. Erstens handelt es sich dabei nämlich nicht um eine ein- fache Eiterung, sondern um Störungen in der Rückbildung der epithelialen Bestandteile des Thymus, analog, wie wir sie bei der Genese der Thymusblutzysten kennen gelernt haben. In den größeren und kleineren bis kirschkerngroßen unregelmäßigen Hohlräumen liegen Leukozyten, die von mehrfachen Schichten epithelialer Zellen umgeben sind. Zweitens zeichnen sich aber nach den Untersuchungen von Schridde die Dubois sehen Abszesse dadurch aus, daß das sonst in den kleinen H a s s a 1 sehen Körperchen zum Verband zusammen gelagerte Faserepithel sich oft zu mächtigen Wucherungen ausgebreitet hat. Schridde fand Bilder, die in hochgradigen Fällen fast an den Faser- epithelkrebs der Haut erinnerten. Das Mark ist durch diese Wucherungen sehr verbreitert, die Rindensubstanz vermindert. Fast stets vermißt man typische H a s s a 1 sehe Körperchen (Tafel II Fig. 2). Beide Prozesse, die Höhlenbildung und die Epithelwucherung, können eine Volumenzunahme des Thymus auch in klinischer Beziehung be- wirken, jedoch wird sie kaum je chirurgische Konsequenzen haben, weil diese syphilitischen Neugeborenen sehr bald an Lebensschwäche sterben. Für die schwere allgemein syphilitische Schädigung spricht auch die Tatsache, daß die Spirochaete pallida in sehr großer Menge in den Dubois sehen Abszessen gefunden wird. Sehr selten werden syphilitische Granulombildungo n beobachtet. In einem von uns sezierten Falle hatte der hochgradig gum- möse Prozeß im Leben keinerlei Lokalerscheinungen im Gefolge. Förster, Eberth, Jacobi und M a t h e w s o n haben bei Kindern und Erwachsenen Gummiknoten des Thymus beschrieben, die teilweise sogar verkalkt waren; chirurgische Intervention war nie er- forderlich. Die alten Ärzte glaubten, daß die Thymusdrüse besonders zur Tuberkulose disponiert sei, ja daß die allgemeine Tuberkulose der Kinder nicht selten im Thymus ihren Anfang nehme. So schreibt 1852 der berühmte Kinderarzt Bednar: „Die tuber- kulöse Degeneration der Thymusdrüse kommt ziemlich häufig zur Be- obachtung und zwar bei skrophulösen Kindern, die dann der tuberkulösen Diathese und der Tuberkelbildung in den meisten Eingeweiden unter- liegen. Bednar berichtet über folgende Beobachtung: „Bei einem 1 Jahr und 8 Monate alten Knaben, welcher an der epidemischen Cholera starb, war die Thymus- drüse groß; sie reichte vom unteren Rande der Thyreoidea bis gegen das untere Ende des Sternuni und betrug mehr als 21/a Zoll in der Breite und \ 2 Zoll in der Dicke. Klose, Chirurgie der Thymusdrüse. 13](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b2101758x_0215.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)