Geschichte der Rübe (Beta) als Kulturpflanze von den ältesten Zeiten an bis zum Erschienen von Achard's Hauptwerk (1809) : Festschrifts zum 75jährigen Bestande des Vereins der deutschen Zuckerindustrie / von Prof. Dr. Edmund O. von Lippmann.
- Edmund Oscar von Lippmann
- Date:
- 1925
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Credit: Geschichte der Rübe (Beta) als Kulturpflanze von den ältesten Zeiten an bis zum Erschienen von Achard's Hauptwerk (1809) : Festschrifts zum 75jährigen Bestande des Vereins der deutschen Zuckerindustrie / von Prof. Dr. Edmund O. von Lippmann. Source: Wellcome Collection.
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No text description is available for this image![1 Pfund kostet 1 Sesterz, in Notzeiten 2 [= einige Pfennige Silber wert]1). Die Ärzte sind über Nährwert und Verdaulichkeit dieser Rüben verschiedener Meinung, schreiben ihnen vielerlei medizinische Wir¬ kungen zu und halten den Samen für ein allgemein wirksames Gegen¬ gift2). — Wie viele andere Pflanzen, so gehen auch Rapum, Napus, Brassica (Kohl) u. dgl. leicht ineinander über3). Pie Steckrübe, Napus, trägt einen Namen, der wohl mit dem griechischen vujzv (Napy) zusammenhängt, der Bezeichnung für die verwandte Senf pflanze, oi'njm (Sinepi, lat. sinapis)4). Die Griechen unterscheiden zwei Arten, ßovviov (Bünion) und ßovvidg (Buniäs), deren Samen als Gegengift gelten5), ferner ein Pseudo-BUnion, das be¬ sonders in Kreta gedeihen soll6), sowie eine wilde Form7). Ihre Ärzte hingegen sprechen sogar von fünf Sorten, verschieden nach Gestalt (länglich, rundlich), Eigenschaften, Empfindlichkeit gegen Kälte u. dgl.; unter ihnen zeichnet sich die böotische durch schöne Gestalt und Süßigkeit aus, im ganzen aber sind sie desto süßer, je zarteres Blatt¬ werk sie haben. Die größte der griechischen Arten ist die von Korinth, die allein auch aus der Erde herauswächst; unter den italischen sind die besten die von Amiternum und Nursia8). Das Aussäen geschieht zweckmäßig nicht vor Mitte des März9) und nur in gut gedüngtes Land10). Die Steckrübe geht sehr rasch auf, im Garten schon am dritten Tag11), gedeiht auch in kühlerem Klima12) und lohnt sorgfältiges Behacken und Anhäufeln13). Vor Erdflöhen, Raupen u. dgl. Schädlingen schützt man sie für den Anfang durch Dazwischen¬ säen von Bockshornklee und weiterhin durch Besprengen mit Absud von Wermut, Hauslauch od. dgl. scharfen Kräutern14). 4) Lib. 18, cap. 126ff. 2) Lib. 20, cap. 18ff. 3) Lib. 19, cap. 176. 4) Lib. 19, cap. 171; nach Stucken soll der Name auf das babylonische sanabu zurückgehen. 5) Lib. 20, cap. 21. 6) Lib. 24, cap. 153. 7) Lib. 19, cap. 75ff. 8) Lib. 19, cap. 75ff. 9) Lib. 18, cap. 50, 131, 314. 10) Lib. 18, cap. 192. n) Lib. 19 cap. 117. 12) Lib. 18, cap. 131. 13) Lib. 18, cap. 192; lib. 19, cap. 62. 14) Lib. 19, cap. 177, 179. — Bockshornklee ist Trigonella foenum graecum, sog. griechisches Heu, „Foenumgraelt“, das viel Cumarin enthält und daher einen starken aromatischen Geruch verbreitet. Nach dem ,,Buch der Landwirtschaft“ des spanischen Arabers Ibn al Awäm aus dem 12. Jahrhundert (üb. Clement- Mullet, Bd. 2, S. 94. Paris 1864) schrieben deshalb die Nabatäer und nach ihnen die Syrer dieser Pflanze ungewöhnliche Kräfte zu, u. a. die Fähigkeit „alles gesund zu bewahren“. Syrer waren aber für Griechen und Römer die eigentlichen Lehrer der Gartenkunst, die bei ihnen in höchster Blüte stand (vgl. Plinius, lib. 20 cap. 23); daher das Sprichwort „Multa Syrorum olera“: „Die Syrer haben vielerlei Gemüse“ (s. Hehn, S. 437. Berlin 1911). — Des Schutzes auszusäender Samen durch Besprengen mit dem Safte von Trigonella, über deren Anbau im großen u. a. Josephus um 80 n. Chr. in der „Geschichte des jüdischen Krieges“ be-](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b29980148_0033.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)