Geschichte der Rübe (Beta) als Kulturpflanze von den ältesten Zeiten an bis zum Erschienen von Achard's Hauptwerk (1809) : Festschrifts zum 75jährigen Bestande des Vereins der deutschen Zuckerindustrie / von Prof. Dr. Edmund O. von Lippmann.
- Edmund Oscar von Lippmann
- Date:
- 1925
Licence: In copyright
Credit: Geschichte der Rübe (Beta) als Kulturpflanze von den ältesten Zeiten an bis zum Erschienen von Achard's Hauptwerk (1809) : Festschrifts zum 75jährigen Bestande des Vereins der deutschen Zuckerindustrie / von Prof. Dr. Edmund O. von Lippmann. Source: Wellcome Collection.
58/202 page 46
No text description is available for this image
No text description is available for this image
No text description is available for this image![noch völlig verschiedene Sorten besaß, lassen sich aber nicht mit Sicher¬ heit beantworten. Die Wahrscheinlichkeit soll, nach Ansicht mancher Forscher, für1 die zuletzt angeführte Vermutung sprechen, schon weil diese die so häufigen Verwechslungen mit anderen Gemüsepflanzen be¬ greiflicher erscheinen lasse. Als solche kommen, wie bereits eingangs erwähnt, neben der weißen Eßrübe (Brassica rapa) und der Steckrübe (Brassica napus)1), vor allem die Melden in Betracht, von denen man vielerlei Arten baute und ihre Blätter wie die des Spinats verzehrte2). ,,Melde“ bezeichnet Björkman als einen sehr alten Sammelnamen für die zahlreichen, in angegebener Weise genossenen Atripliceen und Chenopodien; er lautet im Althochdeutschen (ahd.) molta, im Mittel¬ hochdeutschen (mhd.) molten, mollert, milte, multa, malta, malte, melte, melde. Seine Wurzel, mal, erklärt sich aus dem Anblicke der wie mit mehligem Staube bedeckten Blätter; an mal erinnert das alt¬ deutsche mulda (Erde, Staub), das gotische malma (Sand), das alt- schwedische muld, das altenglische molde und das griechische *juÄhov (mliton), später ßXtxov (bliton), von dem sich wieder das lateinische blitum, blitus ableitet3). Letzteres Wort vererbte sich nicht nur auf die romanischen Sprachen (s. weiter unten), sondern über bleta und belta auch auf die germanischen, und gab, durch Kreuzung mit beta, Ver¬ anlassung, den Mangold ebenfalls als bleta, blata u. dgl. zu bezeichnen, und so vielerlei lrrtümer ins Leben zu rufen4). 55. Auf Wegen, die noch zu besprechen sind, drangen das lateinische beta und das spätlateinische peta oder pata schon frühzeitig in das Ahd. ein, u. a. als bieza und bizza5); weitere Formen, die sich zum Teil vielleicht schon im Ahd., jedenfalls aber im Mhd. nach weisen lassen, sind: bete, blate, blata, bieze, biez, biese, biesel, piesel, biezze, piesze, bieza, pieza, biezza, piesse, beiza, peiza, peizza, bizza, bioza, piozza, beizcol (col = Kohl, vom lateinischen caulis = Stengel), beizkol, bayzkol, beiskol, beyscol, beizgras, bizcrut (crut = Kraut), pizgruth6). Im Niederdeutschen und im Angelsächsischen (ags.) findet sich bete, das in alten ags. Arzneibüchern besonders die rote Hübe bezeichnet, im Englischen beet; aus germanischen Sprachen, besonders aus dem Niederdeutschen, sollen auch das russische botwa, das ruthenische bötva und botvyna, das polnische botwina, das serbische bitva und ]) Fischer-Benzon: a. a. (). S. 129. — Wittmack: a. a. 0. S. 527. 2) Wittmack: a. a. 0. S. 525; „Spinat“ ist ein persisches Wort, aspinas, das erst die Araber, zugleich mit der Pflanze, verbreiteten. :)) Björkman: a. a. O. Bd. 2, S. 204, 223. — Hehn, S. 565. 191 1. 4) Fischer-Benzon: a. a. 0. S. 129. 5) Hqops: Reallexikon der germanischen Altertumskunde Bd. 1, S. 267; Bd. 2, S. 204. Straßburg 1913ff. 6) Björkman: a. a. O. Bd. 2, S. 207; Bd. 3, S. 294; Bd. 6, S. 199. Höflkr, BaAs-Festschrift, S. 188. Hamburg 1908.](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b29980148_0058.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)