Geschichte der Zahnheilkunde : ein Leitfaden für den Unterricht und für die Forschung / Von Karl Sudhoff ... mit 125 Abbildungen im Text.
- Karl Sudhoff
- Date:
- 1921
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Credit: Geschichte der Zahnheilkunde : ein Leitfaden für den Unterricht und für die Forschung / Von Karl Sudhoff ... mit 125 Abbildungen im Text. Source: Wellcome Collection.
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![iS} gebrochen wird. Derhalben sol man zu einem wolerfarnen und gelobten meister gehen, der auch den zufeldigen scheden zuvor- komen weiß. Diß aber soll nicht gescheen, wenn der schmerze am größten ist [eine alte Warnung!], auf das nicht omechtigkeit, als mir do ich noch ein klein knabe von acht oder neun Jar war bei meister Lorenz hie zur Mitweyde geschah . . .“ (Bl. (T8V;) Die ihm als kleinem Knaben bei dem Scherermeister Lorenz zu¬ gestoßene Ohnmacht scheint dem Knaben lebhaft in der Erinne- rung geblieben zu sein, vielleicht gar ihm Anlaß gegeben zu haben, sein „Büchlein wider krankeiten der zeen“ zu verabfassen.1) Dies Büchlein scheint schon 1531 einem deutschen Pestregiment für Regensburg die Anregung gegeben zu haben, einen Abschnitt enthaltend „mancherlei bewerter Arzeney zu den bösen Zenen“ an¬ zufügen, von dem H. Schöppler 1910 berichtet hat. „Zene-Arznei“ war eine Aktualität geworden und wurde mit mancherlei anderem Aktuellen, wie „Franzosenseuche“ und Ähnlichem für das geängstigte und gequälte Volk in „Regimenter!“ verbunden. Das ließ sich vor allem auch der fleißige Skribifax Walther Her¬ mann Ryff gesagt sein, der zusammenlas und plünderte was ihm in den Weg kam, wenn es nach Erfolg beim Publikum ausschaute. So ließ er bei Johan Myller zu YVürzburg ohne Jahresangabe einem „Nützlichen bericht, wie man die Augen und das Gesicht, wo das- selbig mangelhaft . . gesund erhalten soll“ am Ende einen umfäng¬ lichen Abschnitt anfügen: „Wie man den Mund, die Zän und Biller [Zahnfleisch] frisch, rein, sauber, gesund, starck vnd fest er¬ halten, Allen weethumb und schmertzen, feulnus, gestanck, schwertze, sampt allen schedigungen clerselbigen mit bequemen zän pulfferlin, Zänwasseren, Dentifritia vnnd dergleichen mancherley krefftiger mittel, der Artzney, schnell vnd leichtlich vertreiben mög.“ Langatmig wie der Titel ist auch das Büchlein auf 34 Quart- seiten, die ausschließlich den Zahnleiden gewidmet sind (Bl. ö4v—fy4r). Ryff lehnt sich nahe an seine gelehrten Vorgänger an und hat z. B. die 10 Regeln zur Erhaltung der Zähne dem Giovanni d’Arcole ent¬ nommen, wie denn das ganze ein rein scholastisches Stück ist, in dem von der Zahnextraktion beispielsweise nur gesagt ist, daß man „ein Zan ausbricht mit bequemen Instrumenten oder Ferramenten“. Ich habe nichts Eigenes in dem entlehnten Machwerk gefunden, auch in der Form nicht. Aber für die zunehmende Wertschätzung zahnärzt¬ licher Kenntnisse in Laienkreisen und das wachsende Verständnis, für p Herr Gustav Budjuhn (f), damals Assistent an der Erlanger Zahnklinik, hat eine treffliche Dissertation über die „Zene Artzney“ geschrieben, die leider noch des Druckes harrt, aber mir vorlag. Ich benutze den Originaldruck von 1530, im Exemplar der Zwickauer Ratsschulbibliothek, habe aber auch eine Reihe anderer Drucke selbst gesehen.](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b29823948_0163.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)


