Geschichte der Zahnheilkunde : ein Leitfaden für den Unterricht und für die Forschung / Von Karl Sudhoff ... mit 125 Abbildungen im Text.
- Karl Sudhoff
- Date:
- 1921
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Credit: Geschichte der Zahnheilkunde : ein Leitfaden für den Unterricht und für die Forschung / Von Karl Sudhoff ... mit 125 Abbildungen im Text. Source: Wellcome Collection.
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![Niederländer Vesalius eine Chirurgie unterschob, ließ er unmögliche Abulqäsim-Zahnzangen nach früheren Drucken abbilden, auf deren Wiedergabe ich verzichte; sie stimmen mit Abb. 88 oben S. 139 über¬ ein. In den Ausgaben der „Chirurgia universalis“ des Giovanni Andrea dalla Croce, Venedig 1573 (italienisch 1583), sind zwei Mund-Klappspiegel (Glossocatochon), zwei Zahn¬ zangen (Cagnoli)1), angeblich nach Paulus und Celsus abge¬ bildet, ferner zwei doppelseitige scharfe Eisen zum vorherigen Ablösen des Zahnfleisches. Zum Entfernen der Zahnwurzeln (!) sind zwei Pelikane („Pellicani“) unmög¬ licher Gebrauchsform abgebildet (als „Algesti Albuc.“ und „Rizan Celsi“ bezeichnet) und zwei Geißfüße und Hebel, die alle zeigen, daß der namhafte Venetianer Arzt und Wundarzt in Zahnchirurgie absolut nicht wohl bewandert war (Abb. 106). Weit besser ist, was der spa¬ nische Zahnarzt Francisco Martinez 1557 „Sobre la materia dela den- tadura“ zu Valladollid im Bildwerk wieder geben ließ, wie Guerini auf S. 206, 207 und 208 seiner History of dentistry es widergibt. Der Pelikan und drei Zahnzangen nach Martinez seien in Abb. 107 auch hier (nach Guerini) mitgeteilt. Das Instrumentenwerk eines Pare steht aber auf weit höherer Stufe. Abb. 107. Zahninstrumente des Fr. Martinez. xL. Auch die nötigen Werkzeuge und Materialien zur Ausführung der Zahnbindearbeit haben Ryff-Egenolff-Dryander (der Hauptfaktor ist Egenolff) zum ersten Male abbilden lassen, wie es für Kieferfraktur und sonstige Zähne-Befestigung notwendig werden konnte (Abb. 108). Mit dem Zahnersatz sah es ja noch windig aus in ganz Europa, auch in dem an höfischem und galantem Bedarf fortgeschrittensten Frankreich. Dort gab es eine Korporation der Kunstdrechsler in Paris, welche Gebisse aus Elfenbein herstellte: „tabletiers et remetteurs de dents d’ivoire“. Doch war die technische Höhe dieser Ersatzstücke noch gering und ihre Verbreitung noch keineswegs allgemein. Der heil. Lud¬ wig, König von Frankreich, hatte, als er starb, nur einen Zahn (f 1270) gehabt; Karl des Kühnen Leiche erkannte man (1477) am P'ehlen der Zähne des Oberkiefers wieder; der Sonnenkönig Ludwig XIV. hatte schon 30 Jahre vor seinem Tode (1715) fast nur Zahnlücken und ]) Vgl. oben bei Savonarola (S. 140) und unten bei Fabrizi (S. 165 f.).](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b29823948_0170.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)


