Volume 1
Lehrbuch der allgemeinen Pathologie und der pathologischen Anatomie : für Ärzte und Studierende / von Ernst Ziegler.
- Date:
- 1905-1906
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Credit: Lehrbuch der allgemeinen Pathologie und der pathologischen Anatomie : für Ärzte und Studierende / von Ernst Ziegler. Source: Wellcome Collection.
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![denen Organen, insbesondere auch im Nervensystem, anschließen. Die Vergiftung selbst charakterisiert sich durch Kopfweh, Ohrensausen Schwindel, Uebelkeit, Erbrechen, Ohnmacht, Krämpfe, Lähmungen und Coma. Das Blut gewinnt durch den Kohlen- oxydgehalt ein hell-violettes oder auch vollkommen kirschrotes Aussehen, so daß auch die hyperämische Haut und die blutreichen inneren Organe ein hellrotes Aussehen haben. Blausäure (CNH) kommt locker gebunden in den Blättern, der Kinde und den Kernen sehr vieler Pflanzen (bittere Mandeln, Kirschkerne, Pfirsichkerne, Apfel- kerne, Blätter von Kirschlorbeer, Rinde von Prunus Padus, in den Wurzelknollen mancher Euphorbiaceen,im Leinsamen etc.) vor. Cyankalium (CNK)findet technisch vielfach Verwendung. Das bei der Einwirkung auf Blut sich bildende Cyanmethämo- globin sieht hellrot aus und verleiht danach auch den Totenflecken der Haut ein hell- rotes Aussehen. Schwefelwasserstoff fH^S) ist ein Bestandteil der Kloaken- und Mist- grubengase, welcher in großer Menge eingeatmet durch Lähmung des Nervensystems in kürzester Zeit tötet, bei längerem Kontakt mit sauerstoffhaltigem Blute (in faulenden Leichen fast immer zu sehen) Öchwefelmethämoglobin bildet, das dem Blute eine grüne Färbung verleiht. Die Gifte, welche Blutkörperchen auflösen, zum Teil unter Bildung von Methämoglobin, gehören teils zu den oxydierenden Substanzen (Ozon, Jod, Natrium- hypochlorid, Chloraten, Nitriten, Nitraten), teils zu den reduzierenden (naszierender Wasserstoff, Palladiumwasserstoff,Pyrogallol, Brenzkatechin, Hydrochinon, Allosanthin) teils endlich zu Substanzen, welche weder oxydieren noch reduzieren (Salze des Anilins und Toluidins, Acetanilid). Bei Uebertührung von Hämoglobin in Methämoglobin durch Oxydationsmittel tritt Oxyhämoglobin als Zwischenglied auf. Die Bildung von Methämoglobin kann sowohl innerhalb der Blutkörperchen als auch in dem in das Blutplasma übergetretenen Blutfarbstoff erfolgen, und es ist auch andererseits die Zerstörung von Blutkörperchen und der Uebertritt von Hämoglobin in das Blutplasma durchaus nicht immer von einer Methämoglobinbildung gefolgt, so daß bei starker Zerstörung von roten Blutkörperchen, wie sie z. B. durch Phallin, Helvellasäure und Arsenwasserstoff herbeigeführt wird, nur ein Bruchteil des frei ge- wordenen Hämoglobins in Methämoglobin umgewandelt wird. Hämoglobin und Oxy- hämoglobin besitzen eine rote, Methämoglobin eine sepiabraune Farbe. Auflösung von roten Blutkörperchen und Methämoglobinbildung kommen schon bei einem Teil jener Gifte vor, welche ausgesprochene örtliche Gewebsveränderungen verursachen, z. B. bei Vergiftungen mit Säuren, Metallsalzen, Phosphor, Arsen, Schlangengift. Bei sehr großen Dosen von Kali chloricum (CIO^K) kann der Tod durch die Blutzersetzung und die Kaliwirkung unter dem Auftreten von Erbrechen, Diarrhöe, Dyspnoe, Cyanose imd Herzschwäche in wenigen Stunden eintreten und das Blut eine schokoladenbraune Färbung zeigen. Bei mehr protrahiertem Verlauf der Er- krankung durch kleinere Dosen finden sich Zerfallsprodukte des Blutes in Milz, Leber, Knochenmark und Nieren, und es kann der Urin eine rotbraune bis schwarze Farbe (Methämoglobin) zeigen. Delirien, Benommenheit, Coma, KrämjDfe, die während des Krankseins bestehen, weisen darauf hin, daß das Zentralnervensystem stark leidet. Pyrogallol (G''H'^[OH]'') macht ähnhche Erscheinungen. Hydrazin (H'N—NH-J und Phenylhydrazin bewirken neben der Zerstörung des Blutes unter Bildung von Methämo- globin auch multiple Blutgerinnungen. Bei Toluylendiaminvergiftung(C*'H''[NH-J-CH^) tritt der Zerfall von roten Blutkörperchen, der zur Ablagerung von eisenhaltigem Pigment in Milz, Leber und Knochenmark führt, in den Vordergrund. Bei Katzen kann auch Abscheidung von Hämoglobin durch den Urin eintreten (Biojj^di). Bei Pikrinsäurevergiftung (C'*H-[NO-J-^OH) gesellt sich zur Veränderung des Blutes und zu dem Auftreten von Methämoglobin starke Reizung des Zentralnervensystems, charakterisiert durch heftige Krämpfe. Ebenso wirken auch das Anilin (C^H^NH'-) und der Schwefelkohlenstoff (CS') nicht nur blutverändernd, sondern auch reizend und lähmend auf das Nervensystem. Von KoBEET werden auch das in dem Samen der Ricinusstaude enthaltene Ricin und das in dem Samen von Abrus precatorius enthaltene Abrin den Blut- giften zugezählt, indem sie im Reagensglase ein Zusammenballen der roten Blut-](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b21924296_0001_0045.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)


